Geburtsbericht - Wie das Rosinenbrötchen zu seinen Rosinen kam

Eine Geburtsgeschichte wie eine wunderschöne Frau ihre zweite Tochter absolut selbstbestimmt und vollkommen natürlich in einer Klinik zur Welt brachte.

Dieser Bericht ist aus der Sicht der Doula verfasst und an das gerade geborene kleine Mädchen gerichtet:

Herzlich Willkommen kleines Mädchen,

wahrscheinlich hast Du es schon bemerkt: Deine Eltern sind ganz ganz liebevolle und bewusste Menschen. Daher wollten sie zu Deiner Geburt von einer Doula begleitet werden, die Deine Mama dabei unterstütz, ihre innere Kraft zu nutzen und Dich in einem Umfeld voll Liebe und Hoffnung auf die Welt geleitet. Und durch einen glücklichen Zufall kam es, dass ich diejenige sein durfte, die Deine Eltern riefen, als Du Dich auf den Weg gemacht hast. Und wie Dein Geburtsweg genau aussah, möchte ich Dir hier beschreiben:

An Deinem Geburtstag – ein wunderschöner sonniger klarer Samstag -  war ich gerade mit meiner Tochter auf dem Markt an einem Stand mit herrlich duftenden reifen Beeren, als mich Deine Mama anrief. Sie sprach mit ruhiger Stimme, dass sie jetzt das Gefühl hat mich gerne sehen zu wollen. Nachdem sie berichtete, dass sie inzwischen schon alle 3 Minuten die Kontraktionen in ihrem Bauch spürte, war mir klar, dass eure Geburtsreise nicht eben erst begann, sondern schon weiter fortgeschritten war - so wollte ich sie nun auch schnellst möglich sehen. Schon seit dem Vortag hattest Du mit recht kurz aufeinanderfolgenden Wellen verkündet, dass Dein Geburtstag naht, hattest Deinen Eltern aber noch einmal eine Nacht Schlaf geschenkt, um sich für den weiteren Weg zu stärken. So wollte Deine Mama heute wohl ganz sicher sein, dass es tatsächlich jetzt losgeht bevor sie mich anrief und hat die ganze erste Geburtszeit bei Euch Zuhause prima die Eröffnungswellen verarbeitet. Sie ging in Eure Badewanne, lief durch die Wohnung, kreiste sanft ihr Becken und tanzte so ganz im Einklang mit ihrem Körper das, was ich Geburtstanz nenne. Eure Körper wurden durchströmt von Hormonen, die Euch auf dem Geburtsweg leiteten und ermöglichten, dass das Gewebe Deiner Mama weich und entspannt wurde, dass sie sich für Dich öffnen konnte und Deinen ganzen Organismus darauf vorbereitet nun bald außerhalb ihres Körpers ganz prima zu funktionieren. Sie schloss die Augen, ließ die Wellen kommen und spürte die Kräfte, die ihr unter der Geburt zur Verfügung standen.

 

Als ich um viertel vor eins bei Euch Zuhause ankam begrüßte mich Dein Papa an der Tür. Sofort erreichten mich die Klänge aus dem Wohnzimmer. Hier tanze Deine Mama an Eurem großen Sideboard gelehnt sanft zu den archaisierenden Rhythmen einer Liederzusammenstellung namens „Power & Glory“. Und genau das war es auch, was den Raum erfüllte. Die Kraft Deiner Mama war richtig greifbar. Durch die heruntergelassenen Rollläden, die nur einzelne sanfte Lichtstrahlen hereinließen, erstrahlte Deine Mama in einer fast unbeschreiblichen Herrlichkeit. Ihr Körper wurde umhüllt von zwei warmen Lichtkreisen, die von Deiner und der Geburtskerze Deiner großen Schwester auf sie herabfielen.

 

Ihr liefen die Tränen über die Wange als sie mich sah – sie war erleichtert ihre Doula bei sich zu wissen, die von Nun an den Raum für die Wünsche Deiner Eltern halten sollte. Es ist so wertvoll unter der Geburt zu weinen und sich die Seele durch die Tränen reinigen zu lassen. Dies zeigte mir sofort welche wertvolle Verbindung Deine Mama zu sich selbst hatte und machte mich glücklich – es versprach eine schöne Geburt zu werden!

 

Wir verbrachten in dieser Stimmung eine gute Stunde bei Euch Zuhause. Der anfangs etwas einseitige Druck auf der rechten Beckenseite löste sich, nachdem sie ein paar Kontraktionen in einer asymmetrischen Position verarbeitete, die ich ihr gezeigt hatte. Du hast Dich dadurch weiter nach unten bewegt und die Geburt ging wunderbar voran. Das tiefe Vertrauen in ihren Körper ließ Deine Mama spüren, wann sie die Position wechseln wollte. So standen wir am Sideboard, knieten auf dem großen weichen roten Teppich oder ließ sie sich am Ball abstützen.

 

Dein Papa konnte nun in Ruhe etwas essen und besorgte noch Brezeln. Die Rosinenbrötchen, auf die Deine Mama Lust hatte, gab es leider nicht mehr…aber immerhin ein Stückchen Hefezopf, den Dein Papa ihr anbot: „Magst Du noch etwas darauf haben?“. Deine Mama lachte und sagte verschmitzt: „Ja, Rosinen!“. Wenige Sekunden später stand eine Scheibe frischer Hefezopf mit Bohrlöchern neben uns, in welche Dein Papa sehr liebevoll Rosinen versenkt hatte. Deine Eltern sind ein tolles Paar!

 

So stützte und massierte Dein Papa Deine Mama auch kraftvoll, wenn sie hinabtauchte in eine Welle. Immer tiefer und kraftvoller wurde ihre Atmung und wir spürten, dass Deine Geburt nicht mehr sehr lange dauern konnte. Als wir uns entschlossen haben, dass die Zeit gekommen war in das Krankenhaus zu fahren, kündigte Dein Papa uns im Kreißsaal mit den Worten an: „…wollte nur fragen, ob es ok ist, dass wir jetzt kommen…“, was Deine Mama herzhaft hat auflachen lassen und uns alle ansteckte. Es war eine gelöste und fröhliche Atmosphäre. Auf dem Weg zum Auto blieben wir immer mal wieder kurz stehen und Deine Mama atmete tief und ruhig. Sie lehnt sich an die Wand oder an mich. Ihre Worte: „Danke Uli, dass Du da bist!“ waren so warm und bestätigten, was ich bereits fühlte: wir hatten uns verbunden. Wir atmeten zusammen, bewegten uns in Ihrem Rhythmus und ich spürte, wie die Hormone der Geburt eine heilige Stimmung zwischen uns entstehen ließen.

 

Die Fahrt empfand Deine Mama als nicht so angenehm. Es war gut, dass wenig Verkehr war und wir zügig voran kamen. Sie hat es dennoch geschafft den ganzen Weg über bei sich zu bleiben und den Einflüssen und Reizen von außen nicht zu viel Wert beizumessen. Als wir 14:35 Uhr am Kreißsaal ankamen empfing uns eine junge Hebamme sehr freundlich und ruhig. Sie hatte keine Eile Deine Mama zu untersuchen, sondern vertraute auf die Intuition Deiner Mama, die klar beschrieb wie die Geburt voran ging. Sie führte uns in einen in Bordeaux- und Brombeertönen gestrichenen Kreißsaal, in dem wir wunderbar dieselbe Atmosphäre schaffen konnten wie bei euch Zuhause: Ich ließ die Rollläden runter, legte ihre Power & Glory CD ein und die Hebamme und ich bereiten Deiner Mama im Schutz hinter dem großen Bett mit einer weichen Matte und Tüchern eine Unterlage auf dem Boden vor, auf der sie sich genauso frei bewegen konnte wie bisher zu Hause. Du bis in der Zwischenzeit so tief in das Becken Deiner Mama gerutscht, dass sie den Druck Deines Köpfchens jetzt deutlich auf Ihrem Muttermund spürte. Es dauert einen Moment, bis sie sich mit diesem neuen Gefühl und mit dem neuen Zimmer vertraut machte - sie wollte  doch so gerne in den anderen Kreißsaal mit einer Geburtswanne – aber der war belegt. Ich versuchte ihren Fokus wieder auf Euch zurück zu holen, in dem ich Ihr ins Ohr flüsterte: „Du machst das ganz wunderbar. Habe keine Angst vor dem Druck. Er ist das Köpfchen Deiner Tochter und sie massiert von innen den Weg durch den sie bald geboren wird. Nehme diesen Raum hier an und tauche tief in Dich hinab – Du bist genau richtig, wo Du jetzt bist und Du hast alle Kraft in Dir.“ Sie nickte und lächelte – ihre Antwort auf die nächste Welle war kein ängstliches Stöhnen, sondern ein ihren ganzen Körper in Vibration versetzendes tiefes langes Tönen. Die Weisheiten des Yogas sagen, dass man durch das tiefe lange OM alle Eben des Bewusstseins in Schwingung versetzt und so hinabtauchen kann in sein Innerstes – seine Intuition. Und genau das tat Deine Mama. Sie verband sich mit ihrer Urkraft und tanzte nun auch im Geist. Wir tönten gemeinsam und ich fühlte mich Deiner Mama sehr sehr nah. Später sagten mir die Hebammen, dass sie von den Klängen, die aus unserem Raum kamen, sofort davon überzeugt waren, dass Du wunderbar sanft geboren werden würdest. Es bedurfte keiner Untersuchung für sie um zu wissen, dass bei Euch alles gut verläuft. Als um Drei Uhr die Hebamme wieder zu uns in den Kreißsaal kam, wollte Deine Mama doch gerne wissen, wie weit ihr Körper sich bereits für Dich geöffnet hat. Die Worte der Hebamme: „Sechs bis Sieben Zentimeter und der Kopf liegt in einer sehr guten Position“ erleichterten Deine Mama nochmals – es war schön zu hören, dass das Mehr an Druck auch einen weiteren Fortschritt in Deiner Geburt bedeutete.

 

Es verging etwa eine halbe Stunde in der Deine Mama wieder ihren eigenen Bewegungen folgte. So wechselte sie zwischen knienden und stehenden Positionen ab und wir tönten gemeinsam so herrlich intensiv.  Während ich versuchte ihr den Druck mit Akupressur etwas zu nehmen, massierte Dein Papa wieder ihren Rücken, was sie dankbar annahm. Auch hier waren Deine Eltern wieder eine harmonische Einheit, welche sich verstärkte, als Dein Papa und ich Plätze tauschten und  sie nun während der Kontraktionen ganz fest seine Hände halten konnte. „Ok, jetzt tut es echt langsam verdammt weh!“ – Deine Mama fluchte jetzt das erste Mal! Sie sagte es so ruhig, dass man meinen konnte, eine Blase am Fuß begänne langsam beim Laufen zu drücken. Sie lachte dabei über sich selbst und Dein Papa und ich konnten nicht anders als mit einstimmen. Deine Eltern küssten sich und Dein Papa bestärkte sie in dem, dass sie das ganz toll machte. Und das tat sie wirklich. Mit der Aufmerksamkeit ganz bei sich, ließ sie sich nicht beirren als eine ältere Hebamme mit einer Hebammenschülerin herein kamen. Die langen tiefen Töne Deiner Mama wurden in der Zwischenzeit immer mal wieder durch ein stoßweises Seufzen während den kraftvoller werdenden Kontraktionen unterbrochen. Die Hebammen und ich schauten uns an und wir wussten alle im Stillen, dass die letzte Phase der Geburt begonnen hat – es war 16:10 Uhr. Auch hier verzichteten die Hebammen auf eine Untersuchung und respektierten die Intuition Deiner Mama – sie verspürte nun den Druck zu pressen und sie gab ihm immer mehr nach. So blieb nur die Hebammenschülerin bei uns und wir wartete eigentlich bei jeder Welle darauf, dass der Körper Deiner Mama das Fruchtwasser freigeben  würde.

 

Es war eine friedliche Stimmung! Ganz ruhig ließ Deine Mama ihren Körper bei jeder Welle treiben – Dein Papa gab ihr mit seinen starken Händen Halt und die Hebammenschülerin und ich massierten den Rücken Deiner Mama abwechselnd. Alle waren mit Deiner Mama verbunden und unterstützen sie dabei, IHREN Weg weiter zu gehen. Gebären im Kreis von Frauen, unterstützt durch den Partner und in einer Umgebung voller Vertrauen und Respekt!

 

Wenn sie aus ihrem Wellentanz herauftauchte und besorgt aussah ermutigte ich sie, dass Deine Geburt unmittelbar bevorstehe und sie wirklich stark ist. Sie nahm immer wieder all ihre Kraft zusammen und konzentrierte sich auf sich. Immer wieder entspannten sich ihre Gesichtszüge und sie fand angenehme Momente der Ruhe zwischen den Kontraktionen.

 

Um kurz vor halb fünf dann sagte sie sehr deutlich: „Ich kann nicht mehr!“ – auch auf diesen Satz hatte ich fast schon gewartet und war insgeheim schwer beeindruckt, wie stark und fokussiert Deine Mama war. Und natürlich konnte Deine Mama noch – ihr Körper schöpfte seine enormen Kräfte jetzt erst recht aus!  Die Hebammenschülerin schlug vor während einer Kontraktion zu ertasten wie weit sich Dein Köpfchen nach unten schiebt. Was sie verkündete, machte Deiner Mama Mut: sie hatte sich wie geahnt vollkommen geöffnet und Dein Kopf stand unmittelbar vor der Geburt.

 

 

Das „unmittelbar“ ließ dennoch ein wenig auf sich warten. In jeder Ruhepause streichelten Dein Papa oder ich Deiner Mama die Haare aus dem Gesicht und wir sprachen sanft mit ihr. Sie war sehr tapfer und brachte viel Kraft auf. Um diese Kraft stärker nutzen zu können fragte ich Deine Mama ob sie es sich vorstellen könnte in die tiefe Hocke zu gehen – sie bejahte, ging tief und um 17 Uhr entwich schwallartig das Fruchtwasser und mit dem nächsten kraftvollem Pressen gebar sie Deinen Kopf. Überwältigt von der freigesetzten Energie stützte sie sich wieder am Bett ab, über welches sich Dein Papa beugte und sie liebkoste. Er war ebenso ergriffen! Ruhig kam die ältere Hebamme mit der diensthabenden Gynäkologin herein und baten Deine Mama jetzt nur noch ganz sachte mit zu schieben. Sie legten Deinen Hals frei von der Nabelschnur und stützten Deinen Körper sanft auf Deinem Weg in unsere Welt.

 

Um 17:10 Uhr wurdest Du geboren!

 

Die ersten Worte Deiner Mama an Dich waren: „Meine Maus…hallo…oh hallo meine Maus!“ und sie nahm Dich dabei sanft in ihre Arme und betrachtete Dich voller Liebe. Dein Papa kletterte ganz aufgeregt auf das Bett um Dir und Deiner Mama näher zu sein und Dich mit einem ebenso von Liebe erfüllten Blick zu bewundern. Die ältere Hebamme reichte Deiner Mama ein Handtuch um Dich einzuwickeln, damit es Dir hier draußen bei uns nicht kalt werden sollte. Und so lagst Du nun in den Armen Deiner Eltern, die sich vor Freude immer wieder küssten. Die Töne zu dem Lied „Fanfare For The Common Man” ertönten - eine solch imposante Begrüßung gleicht der einer Königin.

 

Als eure Plazenta geboren wurde erklärte Dir Deine Mama, was da gerade geschah. Euer Lebensbaum war groß und spielerisch zeichneten sich die einzelnen Blutgefäße als verzweigte Äste ab.  Schon 25 Minuten nach Deiner Geburt hast Du das erste Mal am Mamas rechter Brust gesaugt. Als du verstanden hast, dass es hilfreich ist dabei die Hand vor dem Mund weg zu nehmen hast du einen kräftigen Zug drauf gehabt und bist dabei nach einer Weile selig eingeschlafen.

 

Eine kurze Unterbrechung eurer ersten Kuschelzeit war die U1 Untersuchung in der Dich Dein Papa der älteren Hebamme gezeigt hatte. Sie wogen dich gemeinsam (4350 g) und maßen Deinen Kopfumfang (37 cm) und wie groß Du schon warst (54 cm). Danach hast Du Dich gleich wieder nackt an Mamas nackte Brust gekuschelt und warst somit an dem wohl schönsten Ort für Dich.

 

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Ulrike Guhr

Doula * Trageberatung * Stillberatung

in Herxheim bei Landau in der Pfalz für die Region Südpfalz zwischen Bad Bergzabern, Kandel, Karlsruhe, Wörth, Germersheim, Speyer und Neustadt an der Weinstraße

 

E-Mail: Ulrike@deine-doula.de