Schwangerschaft als Ausnahmezustand des Körpers oder als das Natürlichste der Welt?

Eine Schwangerschaft bringt auch immer viele Veränderungen mit sich. Gut gemeinte Einflüsse von außen verunsichern oft mehr als zu unterstützen und lassen die kleine zarte Stimme namens Intuition nahezu verstummen. Dabei braucht eine gesunde Schwangerschaft meist nicht mehr als ein achtsames Körperbewusstsein.

Es hilft uns zu erspüren was unser Körper jetzt gerade braucht und ist die erste Form der Kommunikation mit unserem Kind. Sie sagt uns alles, was wir wissen müssen: wie reagiert es auf welche Einflüsse, auf welche Lebensmittel hat es Lust (oder anders gesagt: welche Nährstoffen hätte es jetzt gerade gerne?) und schlicht einfach: fühlt es sich wohl?

"Aber der Facharzt weiß es doch am besten." So richten sich viele Schwangere mit ihren Fragen an einen Mediziner, der mit statistisch gemittelten Werten die Normschwangere mit der tatsächlich vor ihm sitzenden höchst individuellen Frau zu vergleichen versucht.

Ich möchte unseren Ärzten hierbei keinen bösen Willen unterstellen. In einem Gesundheitssytem, das auf Masse abrechnet und in welchem sich in den seltesten Fällen ein Arzt tatsächlich länger als 10 Minuten Zeit pro Patientin inklusive Anamnese nehmen kann, geht es nunmal leider nicht oft individuell zu. So wird eine schwangere Frau zu einem Bauch, der erstmal geschallt werden muss. Bei dem Ultraschall erkennt der Arzt recht zügig viele Fakten, die er sonst "mühselig" im Gespräch mit der Frau erfragen müsste: Wie alt ist der Embryo, bewegt er sich das Kind, ernährt sich die Frau ausreichend um ihr Kind gut zu versorgen etc. Was bleibt dabei aber gänzlich auf der Strecke? Richtig: Das "Wie fühlt sich die Frau"! Mir selbst ging es schon so, dass ich Sorgen oder Fragen bei Untersuchungen hintenangestellt habe, da ich mekte, hier ist kein Platz für mich und meine Gedanken. Die Verunsicherung lässt uns wieder zu Ratgebern greifen, wir fragen dann vielleicht eine Bekannte, die wieder ganz andere Erfahrungen gemacht hat, oder - noch schlimmer: wir googlen. Ein Teufelskreis beginnt!

Drum ermutige ich Euch erstens: Stellt Eure Fragen! Sucht Euch die Unterstützung, die Ihr braucht. Wechselt den Arzt wenn Ihr hier nur eine Nummer seid, sucht Euch eine Hebamme, die Euch schon in der Schwangerschaft begleitet (Stichwort: Hebammenvorsorge) oder meldet Euch bei einer Doula, die Euch auf alle Fälle ernst nehmen wird!

Und das noch wichtigere Zweitens: Hört auf Eure innere Stimme. Euer Kind spricht mit Euch! Nur ist diese Sprache sehr ungewohnt für uns. Sie heißt Intuition und jede Frau hat diese. Sie wächst mit der Mutterschaft und wird Euch sehr sehr oft ein dankbarer Wegweiser sein.

Ich kann verstehen, dass ein Ultraschall - gerade zu Beginn - das Wunder erst begreifbar macht. Aber die Notwendigkeit ständiger Vorsorge und übertriebenem Nachguckenlassen ist in den aller meisten Fällen nicht gegeben. Wenn Euch etwas sorgt, dann hört erstmal in Euch hinen ob da vielleicht schon die Antwort vorhanden ist. Es ist die erste Lektion die uns unsere Kinder erteilen. Wenn sie größer sind, können wir sie auch nicht mehr ständig schallen um zu schauen, was da eigentlich los ist. Es ist unsere Intuition, die uns verrät, welche Bedürfnisse unsere Babys haben. Es ist unsere Intuition, wenn wir merken unser Kindergartenkind hat Kummer. Und es ist unsere Intuition, die uns vertrauen lässt, dass alles gut ist, wenn sie selbstständig außer Haus sind. Wenn nicht alles gut ist, merken wir es. Das Band zwischen einer Mutter und einem Kind ist enger als die Sicherheit jedes Ultraschalls, das mit einer statistischen Streuung je nach Software enorm fehlerbehaftet ist und zB das Gewicht eines Babys zum Ende der Schwangerschaft nur noch mit plus minus einem Kilogramm Körpergewicht "genau gemessen" werden kann.

Warum ist es so wichtig, dass wir unser Körperbewusstsein wieder mehr trainieren und was passiert, wenn der Wunsch nach Sicherheit und der Verlust unserer Intuition eine Frau abhängig von Vorsorgen macht? Es ist das daraus resultierende Abgeben der Verantwortung, das mich sorgt. Nicht mehr die Frau und die Natur ist verantwortlich für ihr Wohlbefinden und das des Babys, sondern ein Arzt hinter dem ein System steht. Und sei er noch so achtsam und aufmerksam - er kann ihr nichts garantieren, oder gar abnehmen. Im dümmsten und leider nicht seltenen Fall entdeckt der Mediziner bei den vielen Untersuchungen tatsächlich eine Unregelmäßigkeit. Seine ganze Ausbildung basiert auch nicht darauf der Natur zu vertrauen, sondern den Fehler in dieser Natur der Dinge zu suchen, zu beschreiben und zu eleminieren. Jetzt stelle ich die provokante Frage: ist eine Unregelmäßigkeit immer gleich ein Fehler?

Sind wir alle gleich groß, gleich schwer, haben wir alle die gleiche Haarfarbe, die gleiche Laune, den gleichen Charakter und die gleichen Vorlieben??? Nein - sicher nicht. Aber warum sollen es unsere Kinder? Ich rede nicht davon nachzugucken ob ein Fötus zwei oder drei Arme hat, sondern Fragen wie: "Wie oft spüren Sie ihr Kind?" oder Aussagen wie "Ihr Kind ist zu groß!" (was wie oben erwähnt ohnehin Kaffeesatzleserei ist). Es gibt schon im Bauch aktive und weniger aktive Kinder! Interessanter wäre die Fragen: "Haben Sie ein gutes Gefühl bei den Bewegungen im Bauch?" oder "Haben sich die Bewegungen in der letzten Zeit verändert?". Dabei benutzt die Mutter ihre Intuition und die Antworten bekommen wesentlich mehr Aussagekraft als eine blanke Zahl der Bewegungen die mit ...ja eigentlich mit WAS wird das verglichen? Dem gemittelten Normbewegungskind?!?

Auch das CTG ist so ein schön gegenüber der Krankenkasse abrechenbares Instrument, dessen Aussagekraft vor der Geburt gegen Null geht (daher wird es in den Richtlinien zur Mutterschaftsvorsorge auch erst mit Einsetzen der Kontraktionen oder bei Indikation empfohlen) - und trotzdem MÜSSEN sich ALLE Frauen in den aller meisten Praxen spätestens ab der 28. Woche bei jeder Vorsorge den Gurt um den Bauch schnallen lassen. Und den wenigen Frauen, die das hinterfragen und den Mut aufbringen ein CTG abzulehnen, wird leider in vielen Praxen mit Unverständnis begegnet und sie werden gar der Fahrlässigkeit beschuldigt. Und das alles nur, weil ein geschriebenes CTG zur Gewohnheit geworden ist.

Ich könnte jetzt eine Reihe weiterer Vorsorgeuntersuchungen aufzählen, allen Voran die Untersuchung des Eisenwertes, die irgendwann mal einen eigenen Blogbeitrag wert ist, aber an dieser Stelle verweise ich einfach auf zwei gute Bücher und einen Link:

"Bekommen wir ein gesundes Baby? Was Sie über pränatale Diagnostik wissen sollten" von Vivian Weigert

 

"Kritik an der Arzneiroutine bei Schwangeren und Kleinkindern" von Friedrich P. Graf


Quarks & Co hat in einer Sendung die statistische Problematik bei den Ultraschallprogrammen klar verständlich dargestellt. Beim Klicken auf das nebenstehende Bild gelangt Ihr zu einem Teil der Sendung.

Sehenswert sind auch die weiteren Teile der Sendung, die zeigen, wie die Statistik hinter dem Risiko zb bei Trisomie ist. Sehr eindrucksvoll, dass unser Wunsch nach Sicherheit ein gesundes Kind zu bekommen, viele zu Untersuchungen treibt, deren Nebenwirkungen ganz klar und eindeutig gesunde Kinder tötet, die im Ultraschall fälschlicherweise aufgefallen sind.

Nicht immer ist eine Abweichung etwas "Schlimmes". Und ganz sicher ist es ratsam ersteinmal in sich hinein zu hören!

 

Innerhalb einer Schwangerschaft verändern sich im Körper so viele Dinge! Angefangen von Hormonen, Körperkonturen, Vorlieben und natürlich auch der Stimmung. Wir Frauen sind zyklische Wesen und dazu gemacht uns zu verändern. Konstanz und Routine können wir getrost den Männern überlassen :)

Lasst Euch darauf ein und nehmt jede Veränderung bewusst war. Findet Euer aktuelles Ich, seid authentisch und lasst die Veränderungen zu indem Ihr tief in Euch hinein hört - und geht dann Euren eigenen Weg!

Wie auch immer der aussehen mag - es ist der Richtige!

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Kommentare: 2
  • #1

    Sandra (Samstag, 20 Mai 2017 02:01)

    Ein großes Lob, für so einen tollen ehrlichen und wahrhaftigen Beitrag .
    Sie sprechen mir aus der Seele , so jemanden wie sie hätte ich gerne in meinen Bekanntenkreis .
    Sehr gerne würde ich sie für meine zukünftige Schwangerschaft und Geburt an meiner Seite haben . Aber die Entfernung wir zu groß sein.

  • #2

    Ulrike (Sonntag, 21 Mai 2017 22:27)

    Liebe Sandra, danke für Dein Lob. Woher kommst Du denn, bzw wird es wahrscheinlich auch eine Doula in Deiner Nähe geben. Schau doch einmal hier: http://www.doulas-in-deutschland.de/doula-finden/ Alles Liebe, Ulrike

 

Ulrike Guhr

Doula * Trageberatung * Stillberatung

in Herxheim bei Landau in der Pfalz für die Region Südpfalz zwischen Bad Bergzabern, Kandel, Karlsruhe, Wörth, Germersheim, Speyer und Neustadt an der Weinstraße

 

E-Mail: Ulrike@deine-doula.de