Deine Doula - Der Blog


Geburtsbericht - Zwischen Großfamilienalltag und dem Rausch der Wellen

Diesen Geburtsbericht schrieb eine Mutter über die fast schmerzfreie Hausgeburt ihres dritten Kindes.

Seit Tagen hatte ich immer wieder Wehen und den Gedanken: Jetzt geht es glaub los. Aber dann war es wieder vorbei und es kehrte Ruhe ein. Wie wenn sich unser 3. Kind zaghaft auf den Weg machen wollte, aber sich dann doch noch nicht traute. :-)

Am ET+3 spürte ich morgens wieder regelmäßige Wehen und einen immer stärker werdenden Druck nach unten. Ich war mir sicher, heute würde unser Baby geboren werden. Den ganzen Vormittag über hatte ich immer wieder leichte Wehen.

Meine beste Freundin war mit ihrem Mann und ihren 3 Kindern schon seit über einer Woche bei uns zu Besuch und es war sehr schön, sie alle da zu haben. Meine Freundin hatte mich schon bei meiner ersten Hausgeburt begleitet und ich durfte sie bei der Alleingeburt ihres 3. Kindes begleiten. Es tat so gut, sie bei mir zu wissen!
Die Kinder spielten, die Erwachsenen kochten Mittagessen und ich konnte immer wieder frei entscheiden, ob ich am bunten Großfamilienalltag teilnehmen möchte oder ob ich mich lieber zurückziehe und ausruhe.

Mit der Zeit wurden die Wehen immer intensiver, im Stehen auf den Wickeltisch gestützt, konnte ich sie gut veratmen, so dass sie völlig schmerzfrei waren. Je intensiver die Wehen wurden, desto mehr versuchte ich mich zu entspannen und an DickRead´s These aus dem Buch "Mutterwerden ohne Schmerz" zu denken
=> Angst - Verspannung - Schmerz
bzw. im Umkehrschluss
=> Vertrauen - Entspannung - Schmerzfreiheit

Ich wusste, mein Körper kann sich öffnen und ich kann eine völlig schmerzfreie Geburt erleben!

Um 15.30 Uhr traf unsere Hebamme ein, die Wehen kamen zu diesem Zeitpunkt schon ca alle 3 Minuten. Mit Entspannen, Tönen und Beckenkreisen konnte ich jede Wehe gut annehmen und verspürte keinerlei Unannehmlichkeiten. Die Wellen waren zwar intensiv und anstrengend, aber schmerzfrei.

Um 16.04 Uhr wollte die Hebamme dass ich noch einmal auf die Toilette gehe, um die Blase zu leeren, bevor ich in den Geburtspool steige. Also stieg ich in einer Wehenpause die Treppen hinunter. Unten angekommen, hatte ich aber eine so heftige starke Kontraktion, dass ich mich nur noch an meinen Mann hängen konnte und einen unglaublichen Drang verspürte mitzuschieben.


Also schnell wieder die Treppen rauf und ab in den Pool. Dort ging es dann wirklich sehr sehr schnell! Die Wehen waren unglaublich stark und kamen unglaublich schnell hintereinander. Es ging so schnell, dass ich das Gefühl hatte, gar nicht mehr hinterherzukommen. Deshalb fiel es mir schwer, in der Entspannung zu bleiben.

 

 

Innerhalb von 8 Minuten gebar ich meine Tochter in meine Hände.

Es war ein unglaubliches Gefühl!


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Geburtsbericht - Meergeburt in einer Bucht in Thailand

Diesen Bericht schrieb eine Mutter, die ihr drittes Kind im Golf von Thailand quasi alleine im Meer zur Welt brachte.

Sie arbeitete als Hebamme bevor sie mit der ganzen Familie 2015 "ausstieg". Ihre ganze Geschichte, wie auch vieles mehr über das erfüllte vegane Leben und bedürfnisorientierter Erziehung könnt ihr auf ihrem Blog unter www.fitforfamily.net folgen.

 

 

Ich bin 29 Jahre alt, habe zwei Kinder und keinen Kinderwunsch. Oli und ich haben gerade eine sehr emotionale Zeit hinter uns und stecken mitten in den Vorbereitungen für einen Online-Kongress. Unser frisch renoviertes Haus ist zumindest formal verkauft, der Notartermin ist endlich über die Bühne gegangen. Überall stehen Umzugs-Kartons und täglich kommen die verschiedensten Leute um alle Kisten abzuholen, die ich über Ebay-Kleinanzeigen zum Verschenken eingestellt habe. Giulio und Susanna, zu dem Zeitpunkt 4 und gerade 2 Jahre alt, werden immer wieder von meiner Schwester betreut, damit wir die 18 Interviews für unser Event führen können. Mein schlechtes Gewissen den Kindern gegenüber könnte nicht größer sein, da ich seit Wochen das Gefühl habe, sie auf Sparflamme zu betreuen.

Unser Leben hat sich seit Olis Kündigung im Winter 2014/2015 komplett auf den Kopf gestellt. Kleine und eigentlich eher große Probleme haben uns immer wieder in die Knie gezwungen und ausgebremst. Vor allem meine innerliche Blockade, niemanden von Familie und Freunden enttäuschen zu wollen. Das ist bei unserem Wandel vom verbreiteten Modell mit Karriere, Haus und Hof auf digitale Nomaden ohne festen Wohn- und Besitz praktisch unmöglich. Und so stürzen wir manchmal ohne Rücksicht auf Verluste nach vorne, um dann wieder Wochen lang in Schockstarre zu verfallen.

Dass wir ein drittes Kind wollen, war uns schon klar, bevor das erste gekommen ist. Aber jetzt darüber nachdenken? Unmöglich!

Bis ich völlig unerwartet und sprichwörtlich aus heiterem Himmel (und im größten Chaos) den intensiven und unauslöschlichen Gedanken an ein Baby habe. Oli wohl auch, denn nur ein paar Wochen später bin ich glückselig schwanger.

Wenige Tage darauf liege ich mit einer Freundin im Freibad. Unsere insgesamt vier Kinder spielen ausnahmsweise zufrieden neben uns und während ich ihren schon großen Babybauch mit dem dritten Kind betrachte, habe ich zum ersten Mal den Gedanken an eine Wassergeburt.

Weder bei Giulios, noch bei Susannas Schwangerschaft und Geburt hatte ich das Bedürfnis, ins Wasser zu steigen. Die große Gebärwanne bei Giulios Geburt war voll und angenehm warm aber ich fühlte mich unwohl und war schnell wieder draußen. Bei Susanna wollte ich nicht mal ein Entspannungsbad.

Aber in dieser dritten Schwangerschaft ist es anders. Denke ich an die Geburt, denke ich an Wasser.

Unseren Schnellstart in die Welt der Online-Unternehmer durchlebe ich in einem Nebel aus völlig ungewohnter Übelkeit und Erschöpfung. Nachdem der Kongress geschafft ist, sind Oli und ich unfähig, einen Laptop auch nur aufzuklappen.

Drei völlig verrückte Wochen später steht statt unserer zwei Autos ein gebrauchtes Wohnmobil vor der Tür, das wir in einer Blitzaktion erstanden und beladen haben. Nahezu alles ist nun verkauft, der Rest eingelagert und fast wie auf der Flucht verlassen wir unseren Heimatort, um in ein neues Leben aufzubrechen.

Nach den emotionalen Höhen und Tiefen der letzten Monate, fühlen sich meine Schwangerschaftshormone geradezu angenehm an. Ich lasse mich fallen und erlebe mit meiner Familie eine wunderbare Zeit im Wohnmobil.

Der Herbst auf Sardinien bringt uns wieder ins Gleichgewicht und obwohl wir eigentlich einen Winter in Südeuropa geplant hatten, entscheiden wir uns im November völlig spontan für eine Backpacker-Thailand-Reise. Auf dem Weg zum Flughafen legen wir noch einen kurzen Zwischenstopp bei meinem Frauenarzt ein, denn ich habe mich entschieden, den Organ-Schall in der 23. Woche machen zu lassen. Sollte unser Baby, wider meinem Gefühl, krank sein und spezielle Hilfe bei der Geburt brauchen, würden wir entsprechend umdisponieren.

Aber es gibt keine Auffälligkeiten und so treten wir die Reise Ende November an. Ich habe meinen Mutterpass dabei, doch bis auf die ersten drei Vorsorgen in Deutschland bleibt er leer. Die warme Sonne, die Entspannung, die ausgedehnte Familienzeit, Olis uneingeschränkte Unterstützung, der Zusammenhalt der vielen Familien in unserem Resort und der Abstand zu den Ängsten, die mir in Deutschland von allen Seiten auferlegt wurden, lassen mich in tiefen Kontakt zu unserem Baby treten. Ohne ärztliche Eckpfeiler-Termine der Schwangerschaft kann ich mich intensiver in meinen Körper einfühlen und meine Intuition stärken. Dank unseres veränderten Lebens- und Arbeitsrhythmus habe ich außerdem die Möglichkeit, mich auch tagsüber etwas auszuruhen.

Um dennoch auf mögliche Komplikationen vorbereitet zu sein, besuchen wir eine Klinik auf “unserer” Insel Koh Phangan, um im Notfall den Weg zu einem Ansprechpartner zu finden. Aber ich fühle mich stark und gesund, unser Baby wächst, bewegt sich und reagiert, wenn ich Kontakt zu ihm aufnehmen möchte.

In der 37. Woche habe ich unerwartet für einige Tage keine Lust mehr auf Schwangerschaft. Es ist heißer als sonst und ich bekomme ordentlich Wasser in die Beine. Um mich abzulenken, machen wir einen kleinen Ausflug in das erste Resort, in dem wir auf Koh Phangan waren. Während die Kinder mit Oli überglücklich in dem ungewöhnlich sauberen Pool planschen, laufe ich an dem kurzen Strand entlang, umrunde den angrenzenden, großen Felsen und stehe plötzlich in einer kleinen Bucht.

Eine Meergeburt war mein unausgesprochener, heimlichster Traum und in diesem Moment wird er greifbar. Wenn im Ozean, dann hier, zwischen den großen Felsen, wellengeschützt durch den 200m entfernten Wall und vom Hauptstrand getrennt durch einen schmalen Fluss.

Während der nächsten Wochen mache ich mir immer wieder Sorgen, dass unser Baby zu einer Zeit kommen könnte, in der eine Meergeburt nicht klappen würde. Zum Beispiel nachts, wenn es von Krebsen wimmelt und es sowieso viel zu dunkel ist oder dann, wenn Leute am Strand sind und ich nicht ungestört sein könnte, oder dann, wenn meine Freundin nicht mehr da wäre, die uns hier besucht. Bis ich irgendwann den Gedanken habe, dass dieses Kind ja offensichtlich im Wasser geboren werden will und es sich dann auch den richtigen Zeitraum aussuchen wird. Mit dieser Erkenntnis kann ich mich endlich entspannen und überstehe selbst Olis stationär behandelte Lungenentzündung wenige Tage vor dem errechneten Termin und die anstehende Terminüberschreitung ohne weiter beunruhigt zu sein.

Am dritten Tag nach Termin habe ich morgens die erste kräftige Welle. Ich beginne, mich mental darauf einzustellen und rechne mit einer schnellen Geburt von etwa 2,5 Stunden, wie bei Susanna. Aber unser Kind hat andere Pläne. Die Geburtswellen sind zwar kräftig aber kurz und kommen nur etwa alle 25 Minuten. Ich verbringe den Tag immer wieder im Meer oder im Pool und möchte nachmittags lieber in das andere Resort wechseln, um nahe an der Bucht zu sein. Als sich der Abend nähert, bin ich etwas enttäuscht – mit einer Meergeburt wird es wohl nichts.

Für die Nacht baue ich mir ein kleines Lager auf dem Bett. Eine dicke Decke als Unterlage und darauf der große Gymnastikball, auf dem ich immer wieder die Wellen veratme. Obwohl ich den ganzen Tag Kontraktionen hatte, bin ich relativ fit. Die langen Pausen sorgen für die entsprechende Erholung und in der Nacht schlafe immer wieder ein. An der Wellen-Requenz ändert sich nichts und der Muttermund öffnet sich zwar nur langsam aber stetig.

 

Kurz vor Sonnenaufgang bin ich bei etwa 4-5 cm und schaue nochmal meine Tasche durch. Mehrere Handtücher, eine wasserdichte Unterlage und eine Tüte für die Plazenta liegen darin. Um Notfall-Telefonnummern und Handy kümmert sich Oli, sollten wir doch Hilfe brauchen.

Gegen elf Uhr vormittags gebe ich meiner Freundin Bescheid. Der Muttermund ist nun 6 cm offen und obwohl ich weiterhin nur etwa 10 Wellen in der Stunde habe, merke ich doch einen zunehmenden Druck und brauche deutlich mehr Konzentration, um mein “Geburtsbild” zu visualisieren.

Dass ich mich in dieser Schwangerschaft viel mit schmerzfreier Geburt, Tiefenentspannung, Affirmationen (“Ich bin fit für die Geburt und sie wird ein wunderschönes Erlebnis.”) und Visualisierungen beschäftigt habe, hilft mir sehr. Wenn ich eine neue Welle kommen spüre, stelle ich mir meine Gebärmutter vor, deren Längsmuskulatur von hellen Bändern nach oben gezogen wird, um den Muttermund sanft zu öffnen. Die Urgewalt meines Körpers raubt mir manchmal fast den Atem und ich habe eine Ahnung davon, wie sehr die Wellen schmerzen könnten, wäre ich nicht so entspannt.

Im glasklaren Poolwasser fühle ich mich am wohlsten und während die Kinder mit ihren Autos spielen, Oli sich um die entsprechende Verpflegung kümmert und meine Freundin mit ihren beiden Kindern (5 und 3 Jahre alt) eintrifft, ziehe ich meine Bahnen. Für die Wellen schwimme ich an den Poolrand mit Blick aufs Meer und amte mich bewusst durch die kurze aber heftige Kontraktion. Niemand außer uns ist da und das Resort mit den vielen Bungalows liegt ruhig hinter mir.

Plötzlich habe ich eine so starke Welle, dass ich mein “Geburtsbild”, das mich zuverlässig durch die ganze Eröffnungsphase begleitet hat, nicht mehr greifen kann. Ich werde sprichwörtlich überrollt und habe sofort heftige Schmerzen. Ich gebe Oli ein Zeichen und wir machen uns schon mal alleine auf den Weg ans Meer.

 

Während der wenigen Meter habe ich mehrere Wellen hintereinander, merke, wie ich mich zunehmend verkrampfe und bin froh, als wir das kühle Meerwasser erreichen. Heute ist es bewölkt, was ungewöhnlich und gut für mich ist. Es ist halb eins und normalerweise ist es um die Mittagszeit kaum auszuhalten.

Ich trete in Kontakt zu unserem Kind, das sich wie immer sofort mit einem kleinen Fußtritt meldet. Jetzt kommen die Wellen alle 5 Minuten und ich schwanke zwischen Begeisterungs- und Verzweiflungsgefühlen. Meine Visualisierung habe ich vergessen und hypnotisiere statt dessen die hinter dem Damm vorbei fahrenden Fischerboote. Als meine Freundin mit den Kindern eintrifft, bin ich völlig eingenommen vom Geburtsgeschehen und brauche Oli an meiner Seite. Meinen ursprünglich ausgesuchten Platz inmitten von einigen kleineren Felsen kann ich nicht beibehalten, da die Schwerkraft natürlich nicht wie an Land wirkt und ich keinen stabilen Halt habe. Also rutsche ich ein Stück nach vorne, um mich an einem Felsen festhalten zu können. Mein Versuch, eine Welle auf einem Felsen besser verarbeiten zu können, scheitert kläglich. An Land kann ich die Kontraktion absolut nicht aushalten und bin schnell wieder im Wasser.

Unser fünfjähriger Sohn Giulio und sein Freund suchen sich einen Felsen in meiner Nähe aus und beobachten uns sehr interessiert aus sicherer Entfernung. Susanna ist die Situation zu spannend und sie bleibt lieber mit ihrer besten Freundin und meiner Freundin, die eine enge Bezugsperson von ihr ist, am Strand.

Dass meine Freundin da ist, gibt mir ein wunderbares Gefühl von Sicherheit. Sie glaubt an mich wie Oli und beide zweifeln keine Sekunde daran, dass wir die Geburt zusammen meistern werden. Es ist niemand da, der mich in irgendeiner Form beeinflusst, mir Angst macht oder die innere Interaktion mit meinem Baby stört. Ich habe keinen Dauer-Herztonschreiber am Bauch, der mein Kind und alle Anwesenden ablenkt und mein Gefühl sagt mir sehr zuverlässig, dass ich mitten in der Endphase der Geburt stecke.

Mit der nächsten Welle kommt der Pressdrang, den ich trotz aller Entspannungversuche nicht bremsen kann. Der Druck ist so gewaltig, dass ich nicht anders kann, als zu schreien. Ich versuche mitzuschieben, was aber nicht funktioniert. Ich habe das eigenartige Gefühl, dass ich zwar schiebe aber nichts ankommt. Die Welle an sich ist so stark, dass meine physische Kraft wohl nicht gebraucht wird. Wie bei den beiden anderen Geburten finde ich es auch in diesem Moment einfach verrückt, wie normal ich mich trotzdem in den Pausen fühle – als ob ich gerade nichts anderes machen würde, als im Meer zu baden.

Während der nächsten Kontraktion fühle ich mich allerdings etwas panisch und erinnere mich daran, dass Sarah Schmidt in ihrem Buch “Alleingeburt” diesen Moment als möglichen Schlüsselpunkt für die baldige Geburt des Kopfes beschreibt. Bewusst wie noch nie spüre ich den Kopf tiefer treten und habe immer eine Hand zwischen den Beinen. Mit der anderen klammere ich mich an Oli fest, der wie ein wahrhaftiger Fels in der Brandung sitzt und nichts tut, außer mich festzuhalten und mir mit seiner Ruhe und unumstößlichen Zuversicht Kraft und Sicherheit zu geben.

Jetzt platzt die Fruchtblase und ich spüre deutlich viele Haare. Das kleine Fruchtwasser-Polster vor dem Köpfchen ist verschwunden und der Druck maximal. Diese Welle bringt den Kopf um die Kurve und nun rutscht er in der Pause auch nicht mehr zurück. Ich weiß, dass unser Baby mit der nächsten Welle geboren wird und habe den Gedanken, dass es ganz einfach nur ich bin, die diese Geburt meistern kann. Diesen Zeitpunkt der maximalen Dehnung kann mir keiner abnehmen. Eine PDA nimmt zwar den möglichen Dehnungsschmerz weg aber leider auch oft den Kontakt zum Baby. Interventionen und Manipulationen am kindlichen Kopf oder am Muttermund führen nicht selten zu traumatischen Erfahrungen für Mutter und Kind. Also warte ich auf die kommenden Sekunden und bündle meine Kräfte.

Die Welle rollt an und ich verarbeite den immensen Druck durch unwillkürliches Schreien mit offenem Mund. Meine Versuche diese Urgewalt anders zu kanalisieren, funktionieren nicht, was aber nicht schlimm ist. Niemand sagt mir, dass ich leiser sein sollte.

Der Kopf unseres Babys tritt durch und füllt plötzlich meine Hand aus. Giulio ist von seinem Felsen geklettert und steht neben Oli und mir im Wasser. Ich höre ihn sagen “Schau mal Papa, da ist der Kopf”.

Ein unvergleichliches Glücksgefühl durchflutet mich und aufgewühlt warte ich im Vierfüßlerstand ab, dass sich das Köpfchen von alleine dreht und die Schultern geboren werden. Unser Baby scheint den Kopf versuchsweise mehrmals in beide Richtungen zu drehen und ich nehme die Hände weg, um es nicht zu stören.

Als es so weit ist, kommt die letzte Welle dieser Geburt und im nächsten Moment ist unser kleines Mädchen  geboren. “Katharina” öffnet unter Wasser die Augen und sieht Oli direkt an. Ein Erlebnis, das ihn zutiefst bewegt. Lachend umfasst er sie mit beiden Händen am Bauch und reicht sie, immer noch unter Wasser, durch meine Beine an mich weiter. Ich halte sie und hebe sie aus dem Meer – mein Kind, durch mich in unsere Hände geboren.

Niemals werde ich diesen Moment und dieses Gefühl vergessen. Alle kommen zu uns ins Wasser und staunend bewundern wir dieses kleine Baby. Sie sieht uns mit großen Augen an und ist ganz ruhig.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich kein Blut verloren. Jetzt kommt ein kleiner Schwall und weil ich das Gefühl habe, dass das Meer trotz Tropensonne etwas zu kalt für Katharina ist, gehe ich mit ihr, immer noch durch die Nabelschnur verbunden, an Land.

 

Dort setzen wir uns auf ein großes weiches Handtuch und ich lege sie zum ersten Mal an die Brust. Als ob sie noch nie etwas anderes getan hätte beginnt sie zu saugen, wird schnell am ganzen Körper rosig und etwa 20 Minuten später löst sich auch die Plazenta. Ich gebäre sie auf unserem Strandtuch, das ich vor vielen Jahren auf Sardinien zum Geburtstag bekommen habe. Wenig geronnenes Blut kommt mit und wird durch die wasserdichte Unterlage aufgefangen. Ich bin im Hormonrausch und fühle mich hellwach und energetisch.

Eine halbe Stunde bleiben wir noch am Strand, dann ziehe ich mich an und wir packen wir die Plazenta in die Tüte. Wir haben uns entschieden, die Nabelschnur vorerst nicht durchzuschneiden, um den natürlichen Blutfluss nicht zu unterbrechen und um Katharinas Verbindung zu diesem beeindruckenden Organ noch etwas aufrecht zu erhalten. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in unseren Bungalow und ich trete das schönste Wochenbett an, das ich mir hätte vorstellen können. Umgeben von meiner Familie, unterstützt von unseren Freunden, ungestört und mit Olis vollem Rückhalt.

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Werden wir entbunden oder gebären wir Leben?

"Sie liegt in den Wehen."

"Welcher Arzt hat Dich entbunden?"

"In welcher Klinik warst Du?"

"Wann bekommst Du Dein Kind?"

Das sind alles Sätze, die junge Eltern immer und immer wieder hören. Aber mal ehrlich: suggerieren sie nicht eine absurde Passivität? Ist es nicht die Frau, die die das Kind eigentlich gebärt - und dabei zumeist sehr aktiv beteiligt ist? Oder braucht es tatsächlich in den statistisch gesehenen über 85 % Geburten, bei denen mehr oder weniger invasiv eingegriffen wird, einen Arzt, der "Gott (oder Arzt?!?) Sei Dank" das Leben rettet. Wenn ja, da frage ich mich, warum es unsere ach so unvollkommene Spezies eigentlich noch gibt und wir uns bei Geburten nicht schon lange selbst ausgerottet haben? Der folgende Beitrag soll sachliche Fakten zum Thema Klinikgeburt den empfundenen Notwendigkeiten dieser gegenüberstellen...

 

Wer wird dich entbinden?

Es gibt wenige Ereignisse im Leben, die so emotional aufgeladen sind wie eine Geburt. Nicht umsonst wird im gleichen Atemzug auch der Tod genannt. Beide Vorgänge verbindet die Unausweichlichkeit des Übergangs. Beide sind aus dem häuslichen Umfeld in spezialisierte Anstalten verbannt worden. Beide können Angst machen.

Eine Geburt ist eine körperliche und psychische Grenzsituation, die in unserem Kulturkreis mit unerträglichen Schmerzen und Hilflosigkeit assoziiert wird. Die Geburtsszenen in Filmen lassen bereits junge Mädchen erblassen und schwören, sie würden sich so etwas nie freiwillig antun. Schon Zwölfjährige beschließen ganz nach dem Vorbild der Geburtsbarbie, ihr künftiges Baby per Kaiserschnitt zu bekommen.

Von Filmszenen abgesehen bleibt eine Geburt ein Mysterium. Kinder, die aus nächster Nähe erlebt haben, wie zum Beispiel ihre Geschwister zur Welt kommen, sind absolute Rarität. Dennoch gilt als sicher, dass es bei einer Geburt laut, blutig und dreckig zugeht. Wenn man Pech hat, kann man damit ganz schön Autositze versauen. Von klein auf wird vermittelt, dass es besser ist, mit Geburten nichts zu tun zu haben. Am besten auch nicht mit den eigenen.

Operative Entbindungen sind inzwischen nicht mehr dem Notfall vorbehalten, sondern Normalität: Über jedes dritte deutsche Baby kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Auch zum "herkömmlichen" - vermeintlich natürlichem - Geburtsweg gibt es jede Menge Begleitmaßnahmen.

In manchem Krankenhaus wird grundsätzlich eine Periduralanästhesie (PDA) aufgedrängt, eine Betäubung der unteren Körperhälfte mit Hilfe einer Kanüle im Rückenmarksraum. Werden die Wehen zu schwach – und das werden sie in Krankenhäusern erstaunlich oft –, ist ein Tropf mit Wehenmitteln nicht weit. Gerät das Baby unter Stress, kann mit Saugglocke oder (inzwischen selten) Zange nachgeholfen werden.

Bei so einer Palette an unterstützenden Mitteln entsteht der Eindruck, dass die werdende Mutter sich einfach zurücklehnen und die Beine öffnen soll, und irgendjemand kriegt das Kind schon aus ihr heraus.

Ärztliche Geburtshelfer oder langgediente Kreißsaal-Hebammen rühmen sich dann gern der mehreren tausend Babys, die sie »zur Welt gebracht haben«. Die meisten Zuhörer finden diese verbale Aneignung völlig in Ordnung.

Da die Kreißsäle inzwischen nicht mehr nüchtern gekachelt sind, kann die Frau, so wird es suggeriert, vor lauter Nichtstun die in warmen Farben gestrichenen Wände bewundern, die man ihr beim Informationsabend vorgeführt hat. Dann geht ihr vielleicht auch der Satz »Man hat mich entbunden« leichter über die Lippen.

Komischerweise sind viele Mütter nach intensiv unterstützten Geburten trotz des Babyglücks gar nicht so froh, wie man es von ihnen erwartet. Sie sind überrascht von den körperlichen Folgen der Eingriffe, die weder nach der PDA noch nach einer großen Bauchoperation ein Klacks sind.

Auch die Psyche verweigert den Jubel: Manche fühlen sich missbraucht, und andere empfinden sich als Versagerinnen. Je mehr Eingriffe, desto trauriger, und seien noch so viele Schmerzmittel geflossen.

Für das empfundene Unglück werden paradoxerweise häufig die Befürworter der natürlichen Geburt verantwortlich gemacht. Nach dem Motto: Wenn sie bloß den Mund hielten und nicht herumposaunen würden, was für ein Fest eine Geburt bei guter, maximal zurückhaltender Begleitung sein kann, dann würden andere Mütter gar nicht merken, was ihnen vorenthalten wurde.

So wird den Frauen nicht nur die körperliche Kompetenz abgesprochen, sondern sie werden auch noch für dumm verkauft. Viele flüchten sich in die Vorstellung, die an ihnen vorgenommenen Eingriffe hätten ihnen und dem Baby das Leben gerettet – so lässt sich die Erinnerung leichter aushalten.

»Das ist aber mutig!«

Dass Kinder in einem Kreißsaal zur Welt kommen, ist für die meisten Eltern Normalität, die gerade beim ersten Baby selten hinterfragt wird. Gerade mal zwei Prozent bundesweit entscheiden sich für eine Geburt außerhalb einer Klinik. In Berlin sind es immerhin vier Prozent. Man darf davon ausgehen, dass dennoch viel mehr Frauen gern zu Hause gebären würden – zum Beispiel, weil sie in einer Klinik schlechte Erfahrungen gemacht haben. Und bei vielen gibt es keine medizinischen Gründe, die dagegen sprechen.

Trotzdem gehen auch zweifelnde Schwangere aus Angst und mangelnder Unterstützung widerwillig ins Krankenhaus. Selbstverständlich sind wir der Meinung, dass Frauen sich für einen Kreißsaal entscheiden dürfen – und manchmal müssen. Dennoch setzen wir uns dafür ein, dass unser Gesundheitswesen die Option einer Hausgeburt oder einer geburt im Geburtshaus am besten fördern, mindestens aber bewahren muss.

Wer sich nicht nur unter Gleichgesinnten zu außerklinischen Geburten bekennt, erlebt merkwürdige Dinge. Der Exotenstatus ist garantiert, und der bereits eingeführte Satz »Das ist aber mutig!« ist keines müden Lächelns mehr wert. Wahrscheinlich geht es Hausgeburtseltern in den meisten Industrienationen ähnlich.

»Nur um Sie zu schockieren: Wir brachten das Kind zu Hause zur Welt«, provoziert der US-Comedian und inzwischen fünffache Vater Jim Gaffigan. »Die meisten sind dann gleich so: ›Wir dachten auch darüber nach, aber wir wollten, dass unser Kind überlebt.‹« Es werde automatisch Faulheit unterstellt – als ob man einfach keine Lust gehabt hätte, sich für die Fahrt noch mal anzuziehen. »Krankenhaus? Wo sich all die Kranken tummeln?«, ätzt Gaffigan zurück. »Wollte Ihre Frau wirklich in einem Nachthemd gebären, in dem gestern jemand gestorben ist?« Auszüge seines Programms gibt es auf YouTube, und sie sind wirklich komisch.

Ängste gehören zum Muttersein, auch wir sind alles andere als frei davon. Werden wir gefragt, warum wir uns für eine Hausgeburt entschieden haben, dann antworten wir: Für eine Geburt ohne Not (sprich eine Komplikation, die wirklich ärztlichen Eingreifens bedarf) ins Krankenhaus zu gehen – das ist mutig.

Selbstverständlich gibt es Fälle, die die unmittelbare Nähe eines OPs oder einer Intensivstation für Neugeborene erfordern. Sehr viele Frauen und ihre Kinder sind jedoch besser dran, wenn sie einfühlsam begleitet und mit unnötigen Eingriffen verschont werden. In den meisten deutschen Krankenhäusern bleibt dies ein frommer Wunsch.

Anästhesie statt Zuwendung

Es steht außer Zweifel, dass eine Geburt Ruhe, Intimität und Vertrautheit braucht, wie es einst der legendäre französische Geburtshelfer Michel Odent formulierte. Alles andere stört – bis zum kompletten Stopp.

Dennoch wird es den Frauen als normal verkauft, dass eine Geburt mit einem Ortswechsel in eine meist beängstigende Umgebung beginnen soll, wo fremde Menschen mit Worten, Händen und Instrumenten in ihre Intimsphäre einbrechen.

Nicht einmal jede zehnte Krankenhausgeburt verläuft ohne medizinische Eingriffe. Bei jeder fünften Frau wird die Geburt mit Medikamenten eingeleitet, jede dritte bekommt mittendrin Wehenmittel, mehr als die Hälfte eine Anästhesie. Nicht nur Kritiker sprechen inzwischen von einer »Interventionskaskade«.

Da die fremde Umgebung wehenhemmend wirkt (der Körper schreit geradezu: »Hier will ich es nicht tun!«), die ärztlichen Leitlinien aber einen engen Zeitrahmen vorgeben, bekommen die Frauen Wehenmittel, um die Geburt voranzutreiben. Diese sorgen, verbunden mit der Anspannung, für unerträgliche Schmerzen.

Die als Segen verkaufte PDA wird verabreicht, was die meisten Frauen in eine passive Lage zwingt. Medikamente und fehlendes Gespür der betäubten Mutter setzen dem Baby zu. Bei abfallenden Herztönen wird die Geburt per Saugglocke oder Notkaiserschnitt beendet. So kommen viele Geschichten zustande, in denen die Frauen sich gerettet fühlen – vor einer Katastrophe, die die Eingriffe selbst ausgelöst haben.

Die Hände eines guten Geburtshelfers gehören in die Hosentaschen – dieser alte, wunderbare Grundsatz hat keinen Platz in einer Geburtshilfe, die auf Pathologie statt Respekt und Unterstützung ausgerichtet ist. Natürliche Geburten kommen in der ärztlichen Ausbildung kaum vor. Aktualisiertes Wissen schafft es nicht oder nur mit großer Verspätung in die Praxis.

So ist längst bekannt, dass es bei einer physiologischen Geburt ein filigranes Wechselspiel zwischen Mutter und Kind gibt: Auf den Wehenschmerz reagiert der mütterliche Körper mit Endorphinen, die auch das Baby über die Nabelschnur bekommt. Wird bei einer PDA der Schmerz lokal abgeschaltet, bleiben auch die Endorphine aus. Das Kind ist dem Geschehen ohne das ihm zustehende Naturdoping ausgeliefert.

Letztendlich wird dem Baby das zugemutet, was man der Frau mit einer unverantwortlichen Aufdringlichkeit abnehmen will. Das Kind macht nicht mehr mit, die Herztöne fallen ab, die Eingriffsspirale dreht sich weiter. Dennoch werden jene Frauen, die Schmerzmitteln zurückhaltend gegenüberstehen, als Märtyrerinnen verspottet.

Die Liste der Ignoranz-Punkte ließe sich beliebig fortsetzen. Obwohl nachgewiesen ist, dass die Rückenlage nach dem Kopfstand die zweitungünstigste Position für die Geburt ist und nur wenige Frauen sie freiwillig einnehmen, werden sie in Kreißsälen mit mal mehr, mal weniger sanftem Druck an anderen Haltungen gehindert.

Angeblich hat der französische König Louis XIV. diese Position populär gemacht – um bei Geburten am Hof besser zuschauen zu können. So müssen Frauen in einer unphysiologischen, unbequemen und nicht zuletzt demütigenden Position gebären, in der sie Blicken und Händen hilflos ausgeliefert sind.

Geburtshelfer, die bereit sind, ein Kind auch aus der Hocke zu empfangen, sind in Krankenhäusern eher selten. Eine Gebärende aus Bequemlichkeit in eine falsche Haltung zu zwingen und damit den natürlichen Ablauf zu behindern ist ein Kunstfehler, der sich in deutschen Kreißsälen täglich abspielt.

Immer noch ist es in Krankenhäusern unerwünscht, wenn Frauen bei ihren Geburten die aktive Rolle übernehmen. Schließlich gilt es als ausgemacht, dass sie sogar zum Pressen angewiesen werden müssen. Dabei ist der Pressdrang bei physiologischen Geburten ein Reflex, der sich schlicht nicht unterdrücken lässt. So zementiert sich der Eindruck, dass die werdende Mutter nicht die aktive Hauptperson des Geschehens ist, sondern ein Störfaktor, den es auszuschalten gilt.

Umso zynischer ist, dass die miteinander konkurrierenden Kreißsäle die Schwangeren bei Infoabenden und Besichtigungen oft mit genau den Versprechen locken, die sie mit großer Wahrscheinlichkeit brechen werden.

Der Kostendruck im Gesundheitswesen ist hoch, für geduldiges Abwarten und Ruhe, die zwischen Trauma und Triumph entscheiden können, ist in Zeiten der Personalknappheit trotz anderslautender Lippenbekenntnisse keine Zeit. Und unter Wehen haben die meisten Frauen Besseres zu tun, als mit den Menschen zu diskutieren, auf deren Unterstützung sie angewiesen sind.

Manche engagieren deswegen in weiser Voraussicht eine Doula – eine Helferin, die mit ihnen durch die Höhen und Tiefen der Geburt geht, ergänzend zur Geburtsbegleitung durch Hebamme oder Ärzte. Die Mediziner Marshall H. Klaus und John H. Kennell haben das neue Berufsbild untersucht, das in seiner jetzigen Form aus den USA stammt und mittlerweile auch in Deutschland an Bedeutung gewinnt.

Eine Doula ist durch die Begleitung während der Schwangerschaft vertraut und garantiert auch im hektischen Kreißsaalgeschehen mit wechselndem Personal die Eins-zu-eins-Betreuung für die komplette Dauer der Geburt. Frauen, die eine solche Unterstützung an ihrer Seite haben, gebären ihre Kinder im Schnitt zwei Stunden schneller und bekommen um fünfzig Prozent seltener einen Kaiserschnitt, schrieben Klaus und Kennell bereits 1995 in ihrem Buch Doula – der neue Weg der Geburtsbegleitung.

Eine jüngere Analyse der University of Toronto mit 15 000 Frauen bestätigt, dass eine durchgehende Begleitung, die weder zum medizinischen Personal noch zur Familie der Gebärenden gehört, die Chancen auf schnellere Geburten bei weniger Eingriffen erhöht. Selbst die Babys sind in diesem Fall fitter. Einen deutlicheren Beweis dafür, was Mütter beim Kinderkriegen wirklich brauchen, kann es wohl kaum geben.

Der Artikel ist in weiten Auszügen aus dem Buch Die Abschaffung der Mutter. Kontrolliert, manipuliert und abkassiert - warum es so nicht weitergehen darf von Alina Bronsky und Denise Wilk

 

Alina Bronsky, geboren 1978 im russischen Jekaterinburg, ist Autorin mehrerer Bestseller. Ihr Debüt „Scherbenpark” wurde 2008 begeistert aufgenommen und 2013 mit Jasna Fritzi Bauer und Ulrich Noethen in den Hauptrollen verfilmt. Ihr letzter Roman, „Baba Dunjas letzte Liebe“, erschien im Herbst 2015. Alina Bronsky lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Denise Wilk, geboren 1973, hat Sozialpädagogik studiert. Sie begleitet als Doula schwangere Frauen und frischgebackene Mütter und gibt Eltern-Kind-Kurse. Mit ihrer Familie lebt sie in Berlin.

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Lass uns weinen!

"Kinder wachsen. Eltern auch!"
Ja, erst durch das Leben mit einem selbsbewussten Kleinkind reflektiere ich erneut, was Weinen für uns eigentlich bedeutet....

Egal ob ein wenige Wochen alter Säugling, eine Heranwachsende oder ein Erwachsener - alle weinen in unterschiedlichen Momenten in unterschiedlicher Ausprägung. UND DAS IST GUT SO!

 

Dennoch ist uns ein Impuls antrainiert, diese heilsamen Tränen zu verstecken und schnellst möglich zu stoppen - es wird mit den Händen den Augen Luft zu gewedelt, es werden Schnullis verteilt oder schnell ne Ablenkung von den wahren Gefühlen gefunden.
Ich rede hier nicht von Tränen, die der letzte Weg sind, anderen verständlich zu machen, dass hier ein sofort stillbares Bedürfnis kundgetan wird (zB Hungerweinen). Weinen kann viel mehr ein Mittel des Stressabbaus sein, dass nichts weiter bedarf, als sich in Sicherheit fühlen zu dürfen und einfach nur zu weinen.
Häufig beobachte ich bei meiner Tochter diesen Impuls nach langen Kindergartentagen: Sie spielt fröhlich, ich komme um sie abzuholen und sie beginnt kurz aber heftig zu weinen. Erzieher stürmen hinzu "Ach herje, was ist denn passiert? Will sie etwa nicht nach Hause?". Kinder kommen aus der Gruppe und fragen ob sie sich weh getan hat. Nein. Sie will einfach nur von mir gehalten werden, weinen und mir auf ihre Art erzählen, dass der Kindergartentag für sie einfach anstrengend war.
Mein Mann macht das doch auch und keiner würde fragen, warum er nach hause kommt und nach einem sehr fordernden Arbeitstag am Abendbrotstisch einfach mal verbal "weint". Beide erzählen was sie alles belastet hat - eben auf unterschiedlichen Sprachniveaus. Und warum sollte ich das stoppen. Es tut beiden gut. Sie weinen solange sie es brauchen, atmen tief durch und fühlen sich danach deutlich befreiter.

Aber was passiert in mir selbst in diesen Momenten? Ja, ich bin in Alarmbereitschaft versetzt, mein Körper spannt sich an und ich verspüre den Wunsch zu helfen. Aber ist "es zu stoppen" eine tatsächliche Hilfe, oder bringe ich meiner Tochter damit nur bei, dass es richtig ist, ihre intensiven Gefühle zu verleugnen damit ICH mich besser fühle?!?
Mein Kind musste ein Jahr alt werden, bis ich dieses andressierte Muster des "Bitte bitte hör auf zu weinen" bemerkte. Seit über zwei Jahren nun biete ich in untröstlichen Weinanfällen einfach nur meine Präsenz und tatsächlich: der Impuls des "Trösten um jeden Preis" klingt nun seltsam absurd und ist kein Programm mehr, dem ich zwingend folgen muss. Mit größeren Kindern Alternativen zu entwickeln bestimmte Situation zu deeskalieren, ist eine schöne Ergänzung, aber noch immer ist es für sie einfach wichtig mal loszulassen und zu Weinen. Und davon lerne ich - jeden Tag etwas mehr!

 

Also erlauben wir unseren Kindern doch mal wieder das Weinen. Erlauben wir es uns selbst! Es tut hin und wieder überraschend gut ;)

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Schwangerschaft als Ausnahmezustand des Körpers oder als das Natürlichste der Welt?

Eine Schwangerschaft bringt auch immer viele Veränderungen mit sich. Gut gemeinte Einflüsse von außen verunsichern oft mehr als zu unterstützen und lassen die kleine zarte Stimme namens Intuition nahezu verstummen. Dabei braucht eine gesunde Schwangerschaft meist nicht mehr als ein achtsames Körperbewusstsein.

Es hilft uns zu erspüren was unser Körper jetzt gerade braucht und ist die erste Form der Kommunikation mit unserem Kind. Sie sagt uns alles, was wir wissen müssen: wie reagiert es auf welche Einflüsse, auf welche Lebensmittel hat es Lust (oder anders gesagt: welche Nährstoffen hätte es jetzt gerade gerne?) und schlicht einfach: fühlt es sich wohl?

"Aber der Facharzt weiß es doch am besten." So richten sich viele Schwangere mit ihren Fragen an einen Mediziner, der mit statistisch gemittelten Werten die Normschwangere mit der tatsächlich vor ihm sitzenden höchst individuellen Frau zu vergleichen versucht.

Ich möchte unseren Ärzten hierbei keinen bösen Willen unterstellen. In einem Gesundheitssytem, das auf Masse abrechnet und in welchem sich in den seltesten Fällen ein Arzt tatsächlich länger als 10 Minuten Zeit pro Patientin inklusive Anamnese nehmen kann, geht es nunmal leider nicht oft individuell zu. So wird eine schwangere Frau zu einem Bauch, der erstmal geschallt werden muss. Bei dem Ultraschall erkennt der Arzt recht zügig viele Fakten, die er sonst "mühselig" im Gespräch mit der Frau erfragen müsste: Wie alt ist der Embryo, bewegt er sich das Kind, ernährt sich die Frau ausreichend um ihr Kind gut zu versorgen etc. Was bleibt dabei aber gänzlich auf der Strecke? Richtig: Das "Wie fühlt sich die Frau"! Mir selbst ging es schon so, dass ich Sorgen oder Fragen bei Untersuchungen hintenangestellt habe, da ich mekte, hier ist kein Platz für mich und meine Gedanken. Die Verunsicherung lässt uns wieder zu Ratgebern greifen, wir fragen dann vielleicht eine Bekannte, die wieder ganz andere Erfahrungen gemacht hat, oder - noch schlimmer: wir googlen. Ein Teufelskreis beginnt!

Drum ermutige ich Euch erstens: Stellt Eure Fragen! Sucht Euch die Unterstützung, die Ihr braucht. Wechselt den Arzt wenn Ihr hier nur eine Nummer seid, sucht Euch eine Hebamme, die Euch schon in der Schwangerschaft begleitet (Stichwort: Hebammenvorsorge) oder meldet Euch bei einer Doula, die Euch auf alle Fälle ernst nehmen wird!

Und das noch wichtigere Zweitens: Hört auf Eure innere Stimme. Euer Kind spricht mit Euch! Nur ist diese Sprache sehr ungewohnt für uns. Sie heißt Intuition und jede Frau hat diese. Sie wächst mit der Mutterschaft und wird Euch sehr sehr oft ein dankbarer Wegweiser sein.

Ich kann verstehen, dass ein Ultraschall - gerade zu Beginn - das Wunder erst begreifbar macht. Aber die Notwendigkeit ständiger Vorsorge und übertriebenem Nachguckenlassen ist in den aller meisten Fällen nicht gegeben. Wenn Euch etwas sorgt, dann hört erstmal in Euch hinen ob da vielleicht schon die Antwort vorhanden ist. Es ist die erste Lektion die uns unsere Kinder erteilen. Wenn sie größer sind, können wir sie auch nicht mehr ständig schallen um zu schauen, was da eigentlich los ist. Es ist unsere Intuition, die uns verrät, welche Bedürfnisse unsere Babys haben. Es ist unsere Intuition, wenn wir merken unser Kindergartenkind hat Kummer. Und es ist unsere Intuition, die uns vertrauen lässt, dass alles gut ist, wenn sie selbstständig außer Haus sind. Wenn nicht alles gut ist, merken wir es. Das Band zwischen einer Mutter und einem Kind ist enger als die Sicherheit jedes Ultraschalls, das mit einer statistischen Streuung je nach Software enorm fehlerbehaftet ist und zB das Gewicht eines Babys zum Ende der Schwangerschaft nur noch mit plus minus einem Kilogramm Körpergewicht "genau gemessen" werden kann.

Warum ist es so wichtig, dass wir unser Körperbewusstsein wieder mehr trainieren und was passiert, wenn der Wunsch nach Sicherheit und der Verlust unserer Intuition eine Frau abhängig von Vorsorgen macht? Es ist das daraus resultierende Abgeben der Verantwortung, das mich sorgt. Nicht mehr die Frau und die Natur ist verantwortlich für ihr Wohlbefinden und das des Babys, sondern ein Arzt hinter dem ein System steht. Und sei er noch so achtsam und aufmerksam - er kann ihr nichts garantieren, oder gar abnehmen. Im dümmsten und leider nicht seltenen Fall entdeckt der Mediziner bei den vielen Untersuchungen tatsächlich eine Unregelmäßigkeit. Seine ganze Ausbildung basiert auch nicht darauf der Natur zu vertrauen, sondern den Fehler in dieser Natur der Dinge zu suchen, zu beschreiben und zu eleminieren. Jetzt stelle ich die provokante Frage: ist eine Unregelmäßigkeit immer gleich ein Fehler?

Sind wir alle gleich groß, gleich schwer, haben wir alle die gleiche Haarfarbe, die gleiche Laune, den gleichen Charakter und die gleichen Vorlieben??? Nein - sicher nicht. Aber warum sollen es unsere Kinder? Ich rede nicht davon nachzugucken ob ein Fötus zwei oder drei Arme hat, sondern Fragen wie: "Wie oft spüren Sie ihr Kind?" oder Aussagen wie "Ihr Kind ist zu groß!" (was wie oben erwähnt ohnehin Kaffeesatzleserei ist). Es gibt schon im Bauch aktive und weniger aktive Kinder! Interessanter wäre die Fragen: "Haben Sie ein gutes Gefühl bei den Bewegungen im Bauch?" oder "Haben sich die Bewegungen in der letzten Zeit verändert?". Dabei benutzt die Mutter ihre Intuition und die Antworten bekommen wesentlich mehr Aussagekraft als eine blanke Zahl der Bewegungen die mit ...ja eigentlich mit WAS wird das verglichen? Dem gemittelten Normbewegungskind?!?

Auch das CTG ist so ein schön gegenüber der Krankenkasse abrechenbares Instrument, dessen Aussagekraft vor der Geburt gegen Null geht (daher wird es in den Richtlinien zur Mutterschaftsvorsorge auch erst mit Einsetzen der Kontraktionen oder bei Indikation empfohlen) - und trotzdem MÜSSEN sich ALLE Frauen in den aller meisten Praxen spätestens ab der 28. Woche bei jeder Vorsorge den Gurt um den Bauch schnallen lassen. Und den wenigen Frauen, die das hinterfragen und den Mut aufbringen ein CTG abzulehnen, wird leider in vielen Praxen mit Unverständnis begegnet und sie werden gar der Fahrlässigkeit beschuldigt. Und das alles nur, weil ein geschriebenes CTG zur Gewohnheit geworden ist.

Ich könnte jetzt eine Reihe weiterer Vorsorgeuntersuchungen aufzählen, allen Voran die Untersuchung des Eisenwertes, die irgendwann mal einen eigenen Blogbeitrag wert ist, aber an dieser Stelle verweise ich einfach auf zwei gute Bücher und einen Link:

"Bekommen wir ein gesundes Baby? Was Sie über pränatale Diagnostik wissen sollten" von Vivian Weigert

 

"Kritik an der Arzneiroutine bei Schwangeren und Kleinkindern" von Friedrich P. Graf


Quarks & Co hat in einer Sendung die statistische Problematik bei den Ultraschallprogrammen klar verständlich dargestellt. Beim Klicken auf das nebenstehende Bild gelangt Ihr zu einem Teil der Sendung.

Sehenswert sind auch die weiteren Teile der Sendung, die zeigen, wie die Statistik hinter dem Risiko zb bei Trisomie ist. Sehr eindrucksvoll, dass unser Wunsch nach Sicherheit ein gesundes Kind zu bekommen, viele zu Untersuchungen treibt, deren Nebenwirkungen ganz klar und eindeutig gesunde Kinder tötet, die im Ultraschall fälschlicherweise aufgefallen sind.

Nicht immer ist eine Abweichung etwas "Schlimmes". Und ganz sicher ist es ratsam ersteinmal in sich hinein zu hören!

 

Innerhalb einer Schwangerschaft verändern sich im Körper so viele Dinge! Angefangen von Hormonen, Körperkonturen, Vorlieben und natürlich auch der Stimmung. Wir Frauen sind zyklische Wesen und dazu gemacht uns zu verändern. Konstanz und Routine können wir getrost den Männern überlassen :)

Lasst Euch darauf ein und nehmt jede Veränderung bewusst war. Findet Euer aktuelles Ich, seid authentisch und lasst die Veränderungen zu indem Ihr tief in Euch hinein hört - und geht dann Euren eigenen Weg!

Wie auch immer der aussehen mag - es ist der Richtige!

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Frauenkreise - Der MoonTemple

Wir kommen im Kreis von Frauen zusammen und holen uns die zutiefst natürliche Verbindung unter Frauen zurück, damit sich unser weibliches Erinnern und Erwachen wieder vervollständigen kann.
Weibliche Berührung und Gehaltensein war in den Zeiten vor den patriarchalischen Gesellschaften ganz selbstverständlich und natürlich. In allen wichtigen weiblichen Prozessen wie Geburt und Sterben, Schwangerschaft und Menstruation, Initiation in die Weiblichkeit und Wechseljahre, in Krankheit, Krisen und Trauer und in Zeiten der Herausforderungen waren Frauen seit jeher einfühlsam und unterstützend gehalten von ihren Schwestern.

Was sind Frauenkreise?

Das Wissen um die nährende Kraft dieser uralten Frauenkreise ist uns Frauen im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen und wir Frauen haben uns dadurch voneinander und von uns selbst entfremdet. Das Vertrauen in unsere urweiblichen Prozesse und in unsere Körperempfindungen und Gefühle ist uns abhanden gekommen, weil wir diese weiblichen Orte verlassen haben und männliches Verhalten und männliche Maßstäbe als Vorbilder übernommen haben.
Was wir Frauen brauchen, ist: Nähe, Stille, Spüren und die warme Präsenz unserer Schwestern.

Wir feiern gemeinsam die Jahreskreisfeste in ihrer ursprünglichen Bedeutung und kehren somit zurück zu unseren Wurzeln, aus denen wir entspringen, die uns nähren und die uns weiter wachsen lassen.

Für unsere Vorfahren und Ahnen war der Wandel von Sonne und Mond, der Wandel der Kräfte in der Natur eingebunden in den Jahreskreis. Alles lebt, wächst und wandelt sich nach den kosmischen Gesetzen dieses Jahreskreises.
Und ein Verständnis dieser Kreisläufe bringt auch zugleich ein Verständnis für das Leben schlechthin.
Alles und vor allem man selber kann darin eingebunden sein und hat seinen Platz.

Imbolc - die Lichtmess

Fest zu Ostera der Frühjahrs-Tag-und Nachtgleiche


Wie kann ich Teil des Frauenkreises werden?

Du kannst gerne zu den in der Regel monatlich stattfindenden Kreisen dazu kommen und die Kraft aller anwesenden Frauen spüren und für Dich erleben.

Ursprünglich fanden die etwa 2 - 4 stündigen Veranstaltungen in einem Yoga-Studio in Herxheim statt. Seit Anfang 2016 treffen wir uns in meinen eigenen Räumlichkeiten oder im Freien. Zur Zeit nutze ich die Pause kurz vor der Geburt unseres zweiten Kindes mit der Suche nach einem Studio-Raum um anschließend wieder die MoonTemple in einem größeren schönen herzlichen Rahmen auch indoor anbieten zu können - weitere Infos folgen!

 

Wenn Du Interesse hast auch medial mit uns verbunden zu sein, dann komm in unsere Frauenkreisgruppe bei Facebook und tausche Dich hier mit uns aus oder schreibe mir eine E-Mail um in Kontakt zu treten.

Wir freuen uns über jede Frau, die mehr in ihrer Weiblichkeit sein und wachsen möchte!

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Geburtsbericht - Wie das Rosinenbrötchen zu seinen Rosinen kam

Eine Geburtsgeschichte wie eine wunderschöne Frau ihre zweite Tochter absolut selbstbestimmt und vollkommen natürlich in einer Klinik zur Welt brachte.

Dieser Bericht ist aus der Sicht der Doula verfasst und an das gerade geborene kleine Mädchen gerichtet:

Herzlich Willkommen kleines Mädchen,

wahrscheinlich hast Du es schon bemerkt: Deine Eltern sind ganz ganz liebevolle und bewusste Menschen. Daher wollten sie zu Deiner Geburt von einer Doula begleitet werden, die Deine Mama dabei unterstütz, ihre innere Kraft zu nutzen und Dich in einem Umfeld voll Liebe und Hoffnung auf die Welt geleitet. Und durch einen glücklichen Zufall kam es, dass ich diejenige sein durfte, die Deine Eltern riefen, als Du Dich auf den Weg gemacht hast. Und wie Dein Geburtsweg genau aussah, möchte ich Dir hier beschreiben:

An Deinem Geburtstag – ein wunderschöner sonniger klarer Samstag -  war ich gerade mit meiner Tochter auf dem Markt an einem Stand mit herrlich duftenden reifen Beeren, als mich Deine Mama anrief. Sie sprach mit ruhiger Stimme, dass sie jetzt das Gefühl hat mich gerne sehen zu wollen. Nachdem sie berichtete, dass sie inzwischen schon alle 3 Minuten die Kontraktionen in ihrem Bauch spürte, war mir klar, dass eure Geburtsreise nicht eben erst begann, sondern schon weiter fortgeschritten war - so wollte ich sie nun auch schnellst möglich sehen. Schon seit dem Vortag hattest Du mit recht kurz aufeinanderfolgenden Wellen verkündet, dass Dein Geburtstag naht, hattest Deinen Eltern aber noch einmal eine Nacht Schlaf geschenkt, um sich für den weiteren Weg zu stärken. So wollte Deine Mama heute wohl ganz sicher sein, dass es tatsächlich jetzt losgeht bevor sie mich anrief und hat die ganze erste Geburtszeit bei Euch Zuhause prima die Eröffnungswellen verarbeitet. Sie ging in Eure Badewanne, lief durch die Wohnung, kreiste sanft ihr Becken und tanzte so ganz im Einklang mit ihrem Körper das, was ich Geburtstanz nenne. Eure Körper wurden durchströmt von Hormonen, die Euch auf dem Geburtsweg leiteten und ermöglichten, dass das Gewebe Deiner Mama weich und entspannt wurde, dass sie sich für Dich öffnen konnte und Deinen ganzen Organismus darauf vorbereitet nun bald außerhalb ihres Körpers ganz prima zu funktionieren. Sie schloss die Augen, ließ die Wellen kommen und spürte die Kräfte, die ihr unter der Geburt zur Verfügung standen.

 

Als ich um viertel vor eins bei Euch Zuhause ankam begrüßte mich Dein Papa an der Tür. Sofort erreichten mich die Klänge aus dem Wohnzimmer. Hier tanze Deine Mama an Eurem großen Sideboard gelehnt sanft zu den archaisierenden Rhythmen einer Liederzusammenstellung namens „Power & Glory“. Und genau das war es auch, was den Raum erfüllte. Die Kraft Deiner Mama war richtig greifbar. Durch die heruntergelassenen Rollläden, die nur einzelne sanfte Lichtstrahlen hereinließen, erstrahlte Deine Mama in einer fast unbeschreiblichen Herrlichkeit. Ihr Körper wurde umhüllt von zwei warmen Lichtkreisen, die von Deiner und der Geburtskerze Deiner großen Schwester auf sie herabfielen.

 

Ihr liefen die Tränen über die Wange als sie mich sah – sie war erleichtert ihre Doula bei sich zu wissen, die von Nun an den Raum für die Wünsche Deiner Eltern halten sollte. Es ist so wertvoll unter der Geburt zu weinen und sich die Seele durch die Tränen reinigen zu lassen. Dies zeigte mir sofort welche wertvolle Verbindung Deine Mama zu sich selbst hatte und machte mich glücklich – es versprach eine schöne Geburt zu werden!

 

Wir verbrachten in dieser Stimmung eine gute Stunde bei Euch Zuhause. Der anfangs etwas einseitige Druck auf der rechten Beckenseite löste sich, nachdem sie ein paar Kontraktionen in einer asymmetrischen Position verarbeitete, die ich ihr gezeigt hatte. Du hast Dich dadurch weiter nach unten bewegt und die Geburt ging wunderbar voran. Das tiefe Vertrauen in ihren Körper ließ Deine Mama spüren, wann sie die Position wechseln wollte. So standen wir am Sideboard, knieten auf dem großen weichen roten Teppich oder ließ sie sich am Ball abstützen.

 

Dein Papa konnte nun in Ruhe etwas essen und besorgte noch Brezeln. Die Rosinenbrötchen, auf die Deine Mama Lust hatte, gab es leider nicht mehr…aber immerhin ein Stückchen Hefezopf, den Dein Papa ihr anbot: „Magst Du noch etwas darauf haben?“. Deine Mama lachte und sagte verschmitzt: „Ja, Rosinen!“. Wenige Sekunden später stand eine Scheibe frischer Hefezopf mit Bohrlöchern neben uns, in welche Dein Papa sehr liebevoll Rosinen versenkt hatte. Deine Eltern sind ein tolles Paar!

 

So stützte und massierte Dein Papa Deine Mama auch kraftvoll, wenn sie hinabtauchte in eine Welle. Immer tiefer und kraftvoller wurde ihre Atmung und wir spürten, dass Deine Geburt nicht mehr sehr lange dauern konnte. Als wir uns entschlossen haben, dass die Zeit gekommen war in das Krankenhaus zu fahren, kündigte Dein Papa uns im Kreißsaal mit den Worten an: „…wollte nur fragen, ob es ok ist, dass wir jetzt kommen…“, was Deine Mama herzhaft hat auflachen lassen und uns alle ansteckte. Es war eine gelöste und fröhliche Atmosphäre. Auf dem Weg zum Auto blieben wir immer mal wieder kurz stehen und Deine Mama atmete tief und ruhig. Sie lehnt sich an die Wand oder an mich. Ihre Worte: „Danke Uli, dass Du da bist!“ waren so warm und bestätigten, was ich bereits fühlte: wir hatten uns verbunden. Wir atmeten zusammen, bewegten uns in Ihrem Rhythmus und ich spürte, wie die Hormone der Geburt eine heilige Stimmung zwischen uns entstehen ließen.

 

Die Fahrt empfand Deine Mama als nicht so angenehm. Es war gut, dass wenig Verkehr war und wir zügig voran kamen. Sie hat es dennoch geschafft den ganzen Weg über bei sich zu bleiben und den Einflüssen und Reizen von außen nicht zu viel Wert beizumessen. Als wir 14:35 Uhr am Kreißsaal ankamen empfing uns eine junge Hebamme sehr freundlich und ruhig. Sie hatte keine Eile Deine Mama zu untersuchen, sondern vertraute auf die Intuition Deiner Mama, die klar beschrieb wie die Geburt voran ging. Sie führte uns in einen in Bordeaux- und Brombeertönen gestrichenen Kreißsaal, in dem wir wunderbar dieselbe Atmosphäre schaffen konnten wie bei euch Zuhause: Ich ließ die Rollläden runter, legte ihre Power & Glory CD ein und die Hebamme und ich bereiten Deiner Mama im Schutz hinter dem großen Bett mit einer weichen Matte und Tüchern eine Unterlage auf dem Boden vor, auf der sie sich genauso frei bewegen konnte wie bisher zu Hause. Du bis in der Zwischenzeit so tief in das Becken Deiner Mama gerutscht, dass sie den Druck Deines Köpfchens jetzt deutlich auf Ihrem Muttermund spürte. Es dauert einen Moment, bis sie sich mit diesem neuen Gefühl und mit dem neuen Zimmer vertraut machte - sie wollte  doch so gerne in den anderen Kreißsaal mit einer Geburtswanne – aber der war belegt. Ich versuchte ihren Fokus wieder auf Euch zurück zu holen, in dem ich Ihr ins Ohr flüsterte: „Du machst das ganz wunderbar. Habe keine Angst vor dem Druck. Er ist das Köpfchen Deiner Tochter und sie massiert von innen den Weg durch den sie bald geboren wird. Nehme diesen Raum hier an und tauche tief in Dich hinab – Du bist genau richtig, wo Du jetzt bist und Du hast alle Kraft in Dir.“ Sie nickte und lächelte – ihre Antwort auf die nächste Welle war kein ängstliches Stöhnen, sondern ein ihren ganzen Körper in Vibration versetzendes tiefes langes Tönen. Die Weisheiten des Yogas sagen, dass man durch das tiefe lange OM alle Eben des Bewusstseins in Schwingung versetzt und so hinabtauchen kann in sein Innerstes – seine Intuition. Und genau das tat Deine Mama. Sie verband sich mit ihrer Urkraft und tanzte nun auch im Geist. Wir tönten gemeinsam und ich fühlte mich Deiner Mama sehr sehr nah. Später sagten mir die Hebammen, dass sie von den Klängen, die aus unserem Raum kamen, sofort davon überzeugt waren, dass Du wunderbar sanft geboren werden würdest. Es bedurfte keiner Untersuchung für sie um zu wissen, dass bei Euch alles gut verläuft. Als um Drei Uhr die Hebamme wieder zu uns in den Kreißsaal kam, wollte Deine Mama doch gerne wissen, wie weit ihr Körper sich bereits für Dich geöffnet hat. Die Worte der Hebamme: „Sechs bis Sieben Zentimeter und der Kopf liegt in einer sehr guten Position“ erleichterten Deine Mama nochmals – es war schön zu hören, dass das Mehr an Druck auch einen weiteren Fortschritt in Deiner Geburt bedeutete.

 

Es verging etwa eine halbe Stunde in der Deine Mama wieder ihren eigenen Bewegungen folgte. So wechselte sie zwischen knienden und stehenden Positionen ab und wir tönten gemeinsam so herrlich intensiv.  Während ich versuchte ihr den Druck mit Akupressur etwas zu nehmen, massierte Dein Papa wieder ihren Rücken, was sie dankbar annahm. Auch hier waren Deine Eltern wieder eine harmonische Einheit, welche sich verstärkte, als Dein Papa und ich Plätze tauschten und  sie nun während der Kontraktionen ganz fest seine Hände halten konnte. „Ok, jetzt tut es echt langsam verdammt weh!“ – Deine Mama fluchte jetzt das erste Mal! Sie sagte es so ruhig, dass man meinen konnte, eine Blase am Fuß begänne langsam beim Laufen zu drücken. Sie lachte dabei über sich selbst und Dein Papa und ich konnten nicht anders als mit einstimmen. Deine Eltern küssten sich und Dein Papa bestärkte sie in dem, dass sie das ganz toll machte. Und das tat sie wirklich. Mit der Aufmerksamkeit ganz bei sich, ließ sie sich nicht beirren als eine ältere Hebamme mit einer Hebammenschülerin herein kamen. Die langen tiefen Töne Deiner Mama wurden in der Zwischenzeit immer mal wieder durch ein stoßweises Seufzen während den kraftvoller werdenden Kontraktionen unterbrochen. Die Hebammen und ich schauten uns an und wir wussten alle im Stillen, dass die letzte Phase der Geburt begonnen hat – es war 16:10 Uhr. Auch hier verzichteten die Hebammen auf eine Untersuchung und respektierten die Intuition Deiner Mama – sie verspürte nun den Druck zu pressen und sie gab ihm immer mehr nach. So blieb nur die Hebammenschülerin bei uns und wir wartete eigentlich bei jeder Welle darauf, dass der Körper Deiner Mama das Fruchtwasser freigeben  würde.

 

Es war eine friedliche Stimmung! Ganz ruhig ließ Deine Mama ihren Körper bei jeder Welle treiben – Dein Papa gab ihr mit seinen starken Händen Halt und die Hebammenschülerin und ich massierten den Rücken Deiner Mama abwechselnd. Alle waren mit Deiner Mama verbunden und unterstützen sie dabei, IHREN Weg weiter zu gehen. Gebären im Kreis von Frauen, unterstützt durch den Partner und in einer Umgebung voller Vertrauen und Respekt!

 

Wenn sie aus ihrem Wellentanz herauftauchte und besorgt aussah ermutigte ich sie, dass Deine Geburt unmittelbar bevorstehe und sie wirklich stark ist. Sie nahm immer wieder all ihre Kraft zusammen und konzentrierte sich auf sich. Immer wieder entspannten sich ihre Gesichtszüge und sie fand angenehme Momente der Ruhe zwischen den Kontraktionen.

 

Um kurz vor halb fünf dann sagte sie sehr deutlich: „Ich kann nicht mehr!“ – auch auf diesen Satz hatte ich fast schon gewartet und war insgeheim schwer beeindruckt, wie stark und fokussiert Deine Mama war. Und natürlich konnte Deine Mama noch – ihr Körper schöpfte seine enormen Kräfte jetzt erst recht aus!  Die Hebammenschülerin schlug vor während einer Kontraktion zu ertasten wie weit sich Dein Köpfchen nach unten schiebt. Was sie verkündete, machte Deiner Mama Mut: sie hatte sich wie geahnt vollkommen geöffnet und Dein Kopf stand unmittelbar vor der Geburt.

 

 

Das „unmittelbar“ ließ dennoch ein wenig auf sich warten. In jeder Ruhepause streichelten Dein Papa oder ich Deiner Mama die Haare aus dem Gesicht und wir sprachen sanft mit ihr. Sie war sehr tapfer und brachte viel Kraft auf. Um diese Kraft stärker nutzen zu können fragte ich Deine Mama ob sie es sich vorstellen könnte in die tiefe Hocke zu gehen – sie bejahte, ging tief und um 17 Uhr entwich schwallartig das Fruchtwasser und mit dem nächsten kraftvollem Pressen gebar sie Deinen Kopf. Überwältigt von der freigesetzten Energie stützte sie sich wieder am Bett ab, über welches sich Dein Papa beugte und sie liebkoste. Er war ebenso ergriffen! Ruhig kam die ältere Hebamme mit der diensthabenden Gynäkologin herein und baten Deine Mama jetzt nur noch ganz sachte mit zu schieben. Sie legten Deinen Hals frei von der Nabelschnur und stützten Deinen Körper sanft auf Deinem Weg in unsere Welt.

 

Um 17:10 Uhr wurdest Du geboren!

 

Die ersten Worte Deiner Mama an Dich waren: „Meine Maus…hallo…oh hallo meine Maus!“ und sie nahm Dich dabei sanft in ihre Arme und betrachtete Dich voller Liebe. Dein Papa kletterte ganz aufgeregt auf das Bett um Dir und Deiner Mama näher zu sein und Dich mit einem ebenso von Liebe erfüllten Blick zu bewundern. Die ältere Hebamme reichte Deiner Mama ein Handtuch um Dich einzuwickeln, damit es Dir hier draußen bei uns nicht kalt werden sollte. Und so lagst Du nun in den Armen Deiner Eltern, die sich vor Freude immer wieder küssten. Die Töne zu dem Lied „Fanfare For The Common Man” ertönten - eine solch imposante Begrüßung gleicht der einer Königin.

 

Als eure Plazenta geboren wurde erklärte Dir Deine Mama, was da gerade geschah. Euer Lebensbaum war groß und spielerisch zeichneten sich die einzelnen Blutgefäße als verzweigte Äste ab.  Schon 25 Minuten nach Deiner Geburt hast Du das erste Mal am Mamas rechter Brust gesaugt. Als du verstanden hast, dass es hilfreich ist dabei die Hand vor dem Mund weg zu nehmen hast du einen kräftigen Zug drauf gehabt und bist dabei nach einer Weile selig eingeschlafen.

 

Eine kurze Unterbrechung eurer ersten Kuschelzeit war die U1 Untersuchung in der Dich Dein Papa der älteren Hebamme gezeigt hatte. Sie wogen dich gemeinsam (4350 g) und maßen Deinen Kopfumfang (37 cm) und wie groß Du schon warst (54 cm). Danach hast Du Dich gleich wieder nackt an Mamas nackte Brust gekuschelt und warst somit an dem wohl schönsten Ort für Dich.

 

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Ulrike Guhr

Doula * Trageberatung * Stillberatung

in Herxheim bei Landau in der Pfalz für die Region Südpfalz zwischen Bad Bergzabern, Kandel, Karlsruhe, Wörth, Germersheim, Speyer und Neustadt an der Weinstraße

 

E-Mail: Ulrike@deine-doula.de