Das zu kurze Zungenbändchen

Das Zungenband ist eine Membran in der Symetrieachse der Zunge, welche sich normalerweise im ersten Trimester in der Schwangerschaft zurückbildet. Passiert dies nicht, kann dieses Band die Funktion der Zunge in ihrer Beweglichkeit behindern.

 

Eine Zunge mit einem verkürzten Zungenband kann viele Erscheinungsformen haben.

Je nachdem wo das Zungenband ansetzt, und wie das Kind dies versucht zu kompensieren, resultieren daraus meist vielfältige Stillhindernisse:

Symptome von Zungenrestriktionen

Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten, manche schließen sich auch gegenseitig aus. Treffen jedoch mehrere Punkte zu und eine Optimierung des Stillmanagements oder Körperarbeit haben keinen ausreichend positiven Einfluss gehabt, lohnt sich der Blick in den Mund. Ernst zu nehmen ist vor allem das elterliche Gefühl, dass "etwas nicht stimmt".

  • Das Anlegen ist erschwert, das Kind kann schlecht Vakuum aufbauen
  • Das Vakuum wird häufig mit einem Klicken oder Schnalzen unterbrochen, "Ran-Weg"-Verhalten
  • vermehrte oder langwierige Stillstreiks ODER gefühlt ständiges Stillen mit dem Eindruck dass das Kind nicht zufrieden wird damit
  • unzureichende ODER übermäßige Gewichtszunahme, bzw erst ausreichende Zunahme und späteres perzentilendurchkreuzendes Abflachen der Gewichtskurve
  • zu viel ODER zu wenig Milch
  • Unzureichende Entleerung der Brust, häufige Milchstaus oder Brustentzündungen
  • Unrunder Saug-Schluck-Atem-Rhythmus, häufiges Verschlucken
  • Schlucken von viel Luft, Bauchschmerzen oder vermehrtes Spucken
  • Beruhigungssaugen erschwert
  • Schwierigkeiten mit fester Nahrung, auffällig späte Beikostbereitschaft mit winzigen Mengen
  • später oder auffälliger Spracherwerb
  • ungewöhnlich häufige HNO Infekte in Folge von Mundatmung
  • Haltungsauffälligkeiten, zB Überstrecken als Baby
  • Schnarchen, häufig offener Mund (vor allem im Schlaf)
  • ...und weitere...

Natürlich können einzelne Symptomen auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden. Daher ist eine ganzheitliche Anamnese und eine Vernetzung mit weiteren Fachpersonal ein wichtiger Bestandteil meiner Beratung. Hierzu agiere ich in einem überregionalen Netzwerk aus Zungenbandspezialisten, welches aus weiteren speziell hierzu fortgebildeteten Stillberaterinnen, IBCLCs, Ärzten und Therapeuten besteht.

 

Erkennen von zu kurzen Zungenbändern

Ob die Zunge restriktiv ist, kann selten ausreichend durch eine Blickdiagnose gesichert festgestellt werden. Wobei vordere an der Zungenspitze ansetzende (anteriore) Zungenbänder noch einfacher zu erkennen sind und in der Regel frühzeitig behandelt werden, ist es unerlässlich bei weiter hinten ansetzenden oder versteckten (posterioren) Zungenbändern die Diagnose über die Zungenbeweglichkeit sicherzustellen.

So kann es sein, dass dass ein Kind die Zunge zwar herausstrecken kann, medizinisches Fachpersonal durch Blickdiagnose sagt "da sei nichts", aber die Zunge dennoch restriktiv ist. Denn beim Stillen kommt es nicht nur auf Vor- und Rückbewegungen an, sondern der gesamte Bewegungsablauf vor allem im mittleren Zungenbereich muss für die vollständige Funktion frei sein.

Dieses Video hier hilft das zu verdeutlichen:

Neben einer ausführlichen Dokumentation von Symptomen empfiehlt es sich strukturierte Diagnose-Tools zur Beurteilung der Zungenbeweglichkeit zu verwenden, wie auch mögliche Einschränkungen durch ein eventuell ebenfalls straffes Lippenband zu bewerten.

Allen in unserem Netzwerk tätigen Ärzte ist dieses Vorgehen bekannt und wird zur gesicherten Diagnose angewendet.

 

Therapie von oralen Restriktionen

Im ersten Schritt sollten die Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Stillen gewährleistet sein. Dabei steht auch bei einer Zungenbandthematik das Optimieren des Stillmanagements, der Anlegevorgang und die Milchbildung im Fokus meiner Beratung. Gegebenenfalls können mit einigen Anpassungen kleine Verbesserungen ertzielt werden, die auch die Zeit überbrücken, bis eine Trennung des Zungenbandes vorgenommen werden kann. Oftmals sind diese Anpassungen und weitere Übungen essenziell für den späteren Stillerfolg und keiner der in unserem Netzwerk tätigen Ärzte trennt daher ohne vorherige Stillberatung.

Diese Trennung des Bandes - Frenotomie genannt - wird durch einen erfahrenen Arzt innerhalb unserers Netzwerkes vorgenommen. Dieser beurteilt vor der Trennung ebenfalls die Zungenbeweglichkeit und informiert über mögliche lokale Betäubungen und welches Verfahren zur Trennung zu empfehlen ist (Schere oder Einsatz von Laser). Eine Vollnarkose ist bei einer Zungenbandtrennung nicht nötig. Zudem direktes Stillen nach der Trennung Mutter und Baby in vielfältiger Hinsicht hilft. Um eine ideale Wundheilung zu erlangen ist aktives Wundmanagement der Zunge unerlässlich und wir üben dieses gemeinsam vor dem Eingriff, so dass die Eltern und ihre Kinder Vertrauen in den Vorgang fassen. Der Verlauf der Wundheilung, wie auch Veränderungen im Stillen sollten mit dem beandelnden Arzt bewiehungsweise mit der Stillberaterin engmaschig ausgetauscht werden.

Die Zusammenarbeit zwischen Stillberaterin und behandelndem Arzt ist die Basis einer guten Begleitung. Ebenfalls empfiehlt sich eine zusätzliche Unterstützung durch Körperarbeit, weshalb in unserem Netzwerk spezialisierte Osteopathen, Cranio-Sacral-Therapeuten und Logopäden angegliedert sind. 

 

Ausblick

Ein Zungenband kann sich nicht dehnen, auswachsen oder von alleine verschwinden. Das Kind kann möglicherweise lernen zu kompensieren, was jedoch keine Behebung der Ursache bedeutet, sondern nur eine Verlagerung des Problemes - Zungenbänder sind mit der Zeit Symptomwandler.

So sind durchaus auch über die Stillzeit hinaus bei nicht therapierten Zungenbändern mögliche Hindernisse beim Essen von fester Kost oder beim Trinken an der Flasche zu erwarten. Logopädische Auffälligkeiten, komplikationsreiche HNO-Infekte, zahnmedizinische Risiken und weitere potentielle Einschränkungen führen meist zu allgemein unbefriedigenden Situationen.

Das Ziel sollte also sein: frühzeitige Erkennung und adäquate Therapie. Ein breites allgemeines Bewusstsein über die Existenz von zu kurzen Zungenbändern, sowie die Aus- und Weiterbildung von Fachpersonal ist hierfür unerlässlich.

 

 

Weitere deutschsprachige Fachartikel findet Ihr hier:

http://www.stillen-institut.com/de/zungenband.html

http://www.stillen-institut.com/media/2016-07-18-das-zu-kurze-zungenband-de.pdf

https://www.still-lexikon.de/verkuerztes-zungenbaendchen/

http://www.stillkinder.de/hat-mein-baby-ein-zu-kurzes-zungenbaendchen/

 

Wenn Du vermutest, dass Dein Kind ein verkürztes Zungenbändchen hat, sprech mich bitte an. Ich werde Euch mir meiner Erfahrung und meinem Fachwissen, sowie mit den Zugang zu unserem Netzwerk an weiteren Spezialisten gerne unterstützen.

 

Ulrike Guhr

Doula * Trageberatung * Stillberatung

in Herxheim bei Landau in der Pfalz für die Region Südpfalz zwischen Bad Bergzabern, Kandel, Karlsruhe, Wörth, Germersheim, Speyer und Neustadt an der Weinstraße

 

E-Mail: Ulrike@deine-doula.de